UFOs über der Schweiz:

von Basler Psi Verein

29. Juli 2015

Wer liess das EuroAirport-Dossier verschwinden? von Luc Bürgin

7. Januar 1999. «Nachdem ich Ihnen nun unsere Abteilung gezeigt habe, gibt es da noch etwas, was Sie brennend interessieren dürfte!» Zielstrebig dirigiert mich Hans-Ueli Frey durch sein Büro im EuroAirport Basel Mulhouse Freiburg. Aus einem Archivregal zaubert der Leiter der Fachstelle Umwelt (Flugweg- und Fluglärmüberwachung) einen dicken Aktenordner hervor. «Voilà!», schmunzelt Frey – und breitet sein UFO-Dossier aus. Fasziniert schweift mein Blick über Notizen, Briefe und grossformatige Schwarzweiss-Fotoabzüge analoger Radaraufzeichnungen. Ich traue meinen Augen nicht: Alle Dokumente betreffen merkwürdige Vorkommnisse im Luftraum rund um den trinationalen Flughafen – manche davon bis heute ungeklärt. Einer der seltsamsten Vorfälle ereignete sich im Mai 1981: «An jenem Tag registrierten wir im nördlichen Anflugsektor völlig rätselhafte UFO-Erscheinungen – um 10.38 Uhr morgens, wie Sie hier sehen. In einem anderen Fall konnten wir eine Sechser- oder Siebnerflotte von unbekannten Objekten dokumentieren und fotografieren, die von einem Flugzeugpiloten rapportiert worden war.»

      

Hans-Ueli Frey in seinem Büro im EuroAirport Basel

«Fotografieren?», hake ich nach. «Richtig», nickt Frey. «Da die Bänder mit den Radaraufzeichnungen regelmässig wieder gelöscht und neu bespielt wurden, kreierten wir in den frühen 1980er-Jahren als einer der ersten Flughäfen in Zusammenarbeit mit der französischen Flugsicherung Möglichkeiten, um umstrittene Radarsituationen in unserem Luftraum bei Bedarf fotografieren, archivieren und damit nachträglich analysieren zu können.» Man habe damals noch mit analogen Radarsystemen gearbeitet, auf denen so ziemlich alles auftauchte, was am Himmel rund um den EuroAirport irgendwie reflektierte – im Gegensatz zu den heutigen digitalen Systemen. «Die damaligen Radarsysteme zeichneten alles ungefiltert auf.

Auch Gewitterstörungen. Selbst Vogelschwärme konnten wir mit unseren Systemen verfolgen.» Dabei sei man quasi nebenbei auch mit UFOs konfrontiert worden. «Anlässlich dieser Reihenuntersuchungen Anfang der 1980er-Jahre tauchten eines Tages merkwürdige Flugobjekte auf, die wir einer genaueren Untersuchung unterzogen. Dabei stellten wir zu unserem Erstaunen fest, dass es sich tatsächlich um unidentifizierbare Phänomene handelte. Eine spannende Sache! Wir haben die entsprechenden Radarbänder in einem abgedunkelten Raum begutachtet und die Flugspuren analysiert – und uns dabei natürlich überlegt, was das sein könnte. Nach Rücksprache mit den französischen Behörden stellte sich dann heraus, dass zum gegebenen Zeitpunkt keinerlei militärischer Flugverkehr herrschte.» «Sie konnten also alle nur denkbaren Verwechslungsmöglichkeiten eliminieren?»

Frey nickt erneut: «Via Ausschlussverfahren konnten wir sämtliche konventionellen Erklärungsmöglichkeiten ausschliessen, von Störsignalen bis hin zu Wetterphänomenen. Übrig blieb, was wir heute gemeinhin als UFOs bezeichnen – unidentifizierbare Flugobjekte. Interessanterweise handelte es sich zudem nicht um einen einzigen Fall. Wir verzeichneten verschiedentlich solche Phänomene, zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten.


So kann ich mich persönlich noch gut an einen Vorfall erinnern, bei dem wir gleichzeitig fünf Radarziele beziehungsweise Flugkörper auf den Analogaufzeichnungen ausmachen konnten. Die Ziele zeigten Geschwindigkeiten und Richtungswechsel, die jenseits aller irdischen Möglichkeiten lagen.» Liebend gerne hätte ich an jenem Tag meinen Fotoapparat gezückt, um Freys Radarfotografien auf dem Tisch vor mir für die Nachwelt abzulichten. Da ich damals als Journalist auf dem EuroAirport offiziell in anderer Mission unterwegs war und die Zeit drängte, entschloss ich mich, später nochmals anzuklopfen. «Man sollte dieses Material irgendwann veröffentlichen», raunte ich Frey vorsorglich zu, als wir uns verabschiedeten. «An mir soll’s nicht liegen«, zwinkerte mir der charismatische Kommunikator zu. »Sie wissen ja jetzt, wo Sie mich finden.» Was ich nicht ahnte: Etwas mehr als ein Jahr danach quittierte Hans-Ueli Frey überraschend seinen Job – nach rund 20 Dienstjahren. Grund genug, ihn einige Jahre später nochmals privat auf sein UFO-Dossier anzusprechen. «Ich gehe davon aus, dass unsere Dokumentation in den Archiven des EuroAirport vorhanden sein müsste und somit auch weiterhin einsehbar ist», versicherte er mir während eines längeren Gesprächs.

Gespannt lotste ich im Oktober 2003 ein TV-Team der Schweizer Rundschau unter der Leitung von Reporter Hanspeter Bäni auf den Flughafen, um Freys Nachfolger Jürg Tschopp um die Herausgabe des Dossiers zu bitten. Das Filmmaterial wurde leider nie ausgestrahlt, liegt mir aber ungeschnitten vor. Auf den Aufnahmen ringt ein sichtlich gestresster und desinteressierter Jürg Tschopp um Antworten: «Von einem solchen UFO-Dossier ist mir nichts bekannt», versicherte er mehrmals. «Ich habe bis heute keine derartigen Dokumente gesehen.

Grundsätzlich ausschliessen kann ich die Existenz solcher Unterlagen natürlich nicht. Aber wir schauen hier nach vorne und auf das tägliche Geschehen – und sicher nicht zehn Jahre zurück.» Jürg Tschopp hat seinen Dienst mittlerweile ebenfalls quittiert. Ein Grund mehr, beim EuroAirport Jahre unlängst erneut um Herausgabe des betreffenden Aktenordners zu bitten. Antwort der Flughafensprecherin Vivienne Gaskell: «Ich habe mit verschiedenen Stellen intern Kontakt aufgenommen und Ihr Anliegen eruiert. Leider muss ich Ihnen mitteilen, dass uns die Dossiers, von denen Sie sprechen, absolut unbekannt sind.» Im Klartext: Entweder hat die Flughafendirektion keine Ahnung, in welchen Archiven ihre Akten landen. Oder aber sie hat diese schlicht entsorgt. In jedem Fall ein Armutszeugnis!


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