Der Schamane als leuchtender Krieger, von Alberto Villoldo

von Alberto Villoldo

20. Februar 2017

Ein leuchtender Krieger zu sein bedeutet die Kraft der Furchtlosigkeit zu entdecken. Leuchtende Krieger erkennen, dass es unsere Aufgabe ist die Liebe anzuwenden um ihr Gegenteil zu überwinden – und ihr Gegenteil ist nicht Hass, sondern Angst.

Unsere Herausforderung besteht darin die Angst und ihre Dunkelheit zu bannen indem wir uns die Liebe und ihr Licht zu eigen machen.

Die Liebe von der ich spreche ist nicht der Zustand des verliebt und dann wieder entliebt sein, dies ist die romantische Liebe. Ich rede von der Liebe die die grundlegende Kraft der Schöpfung ist. Es ist die Liebe, die die Blume für den Regen empfindet und der Jaguar für das Reh, das er soeben seinen Jungen verfüttert hat. Es ist die Liebe die weder von der Kultur noch von der Gesellschaft konditioniert worden ist. Sie ist rein, sanft, nährend und heftig wenn es nötig ist. Diese Liebe ist Wahrheit in Aktion.

Alberto schreibt: I like to think of fear as an acronym for false evidence appearing as real. Natürlich lässt sich diese Aussage nicht als Akronym auf Deutsch übersetzen, aber sinngemäss lautet sie: für mich ist Angst ein falsches Indiz das real zu sein scheint. Das heisst, wenn wir auf das fokussieren wovor wir uns grauen, geben wir falschen Anzeichen Macht und lassen sie zur Wirklichkeit werden. Liebe ist die Essenz von dem wer wir sind und sie strahlt als glanzvolle Aura aus uns heraus. Als leuchtende Krieger werden wir zu Liebe, praktizieren wir Furchtlosigkeit und erreichen Erleuchtung.

Erst kürzlich war ich mit einem Freund an einer Versammlung, an der jemand schlecht über Moslems sprach. Mein Freund stand auf und sagte: «Ich bin ein Moslem.» Seine Worte überraschten mich da ich wusste, dass er Jude ist. Später erklärte er mir: «Wenn sie schlecht über Moslems sprechen, bin ich Moslem. Wenn sie schlecht über die Christen reden, bin ich Christ. Wenn sie schlecht über Schwule sprechen, bin ich schwul.»

Um Furchtlosigkeit zu praktizieren müssen wir zuerst unsere Bedürftigkeit und den Krieg, der in unserem Inneren tobt, eliminieren. Wir dürfen nicht mehr falschen Überzeugungen nachhängen die besagen, dass wir Feinde haben die wir laufend bekämpfen und unterwerfen müssen. Es ist diese Mentalität die dazu führt, dass wir den Fahrer, der «unseren» noch freien Parkplatz einnimmt anschreien oder uns dazu bringt zu glauben, der Partner habe absichtlich nicht den Geschirrspüler geleert um uns in den Wahnsinn zu treiben. Wir beseitigen unsere Sucht nach recht haben und bringen unsere Wahrnehmung aller Probleme in uns innen in Ordnung, bevor wir versuchen die Situation in der Welt anzugehen.

Leuchtende Krieger bilden gemeinschaftliche Beziehungen mit anderen Personen anstatt zu versuchen sie zu bezwingen oder zu unterwerfen; auf diese Weise finden wir eher gemeinsamen Boden und Lösungen für Probleme die wir miteinander haben. Anstatt am Glauben festzuhalten, dass wir nicht genug haben oder dass wir übervorteilt werden, öffnen wir uns mutig und finden Win-Win- Lösungen. Natürlich scheint dies naiv zu sein und einige von uns sagen, dass das wirkliche Leben nicht so funktioniert, aber die erfolgreichsten Organismen in der Natur sind das Resultat von Kollaboration. Der menschliche Körper selbst ist das Produkt von einem Dutzend Organe und vielen verschiedenen Arten von Geweben die zusammenarbeiten zum Wohl des gesamten Organismus.

Wir müssen nicht allen den wir begegnen totales Vertrauen entgegenbringen und wir wollen auch nicht abstreiten, dass es gefährlich ist Kriminelle frei herumlaufen zu lassen – trotzdem brauchen wir nicht mit gezogenem Schwert durch das Leben zu gehen, bereit jene unbedachten Personen zu beseitigen, die zufällig nicht mit uns einverstanden sind. Als leuchtende Krieger öffnen wir unsere Augen um in anderen die Fähigkeit für Frieden sehen zu können, selbst wenn sie diese nicht zum Ausdruck bringen. Es gibt Psychologen die sagen würden, dass wir unsere dunkle Seite (unseren Schatten) auf andere projizieren und damit Gegner erschaffen um nicht ins eigene ungeheilte Selbst zu schauen. Allerdings lenkt uns anderen die Schuld zuzuschieben von der Kraft ab, das eigene Potenzial andere zu schikanieren zu eliminieren. Es hindert uns daran Zugang zu kreativer und heilsamer Energie zu haben, die wir benutzen können um eine bessere Welt zu erträumen.

Wenn wir Konflikte wahrnehmen anstatt Möglichkeiten fokussieren wir auf Gegner und alle Taten, die sie gegen uns gerichtet haben, und vergessen die kraftvolle Frage: Welche Möglichkeit bietet sich hier um Fülle und Heilung zu erschaffen? Als leuchtende Krieger versuchen wir kreative Wege zu finden um mit den Personen, mit denen wir uns nicht einig sind, zu verhandeln und wir ignorieren nicht den gemeinsamen Boden weil wir überzeugt sind, dass wir die Guten sind oder weil wir immer Recht haben.

Wenn wir über die Furcht hinaus treten können wir den Weg des leuchtenden Kriegers annehmen; dann können wir den Frieden wagen, nicht den Krieg. Mahatma Gandhi ist vielleicht das beste Beispiel eines Mannes der Frieden selbst angesichts von Gewalt wagte, er hat den Verlauf der Geschichte für eine Milliarde Menschen geändert. Es kann nicht so schwer sein, dies selbst zu praktizieren.


Über Alberto Villoldo

Alberto Villoldo ist ein medizinischer Anthropologe und Psychologe, der die spirituellen Praktiken des Amazonas und der Anden seit mehr als 25 Jahren studiert. Während seiner Zeit an der Universität von San Francisco gründete er das biologische selbstregulations-Labor um zu untersuchen, wie der Geist sich auf die Gesundheit oder auf Krankheiten auswirkt.

Als Gründer der Four Winds Society lehrt er Menschen auf der ganzen Welt die Praxis der Energiemedizin. Dr. Villoldo hat zahlreiche Bestseller geschrieben, darunten One Spirit Medicine; Power Up Your Brain; Shaman, Healer, Sage und The Four Insights.

www.thefourwinds.com

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