Der Eskimo-Schamane

von Angaangaq Angakkorsuaq

19. Januar 2016

Angaangaq ist Ältester der Eskimo-Kalaallit aus Grönland, der in den höchsten Rang des Schamanen berufen wurde. Sein Einsatz für die Umwelt und indigene Themen führte ihn in über 60 Länder dieser Welt.

Dabei reiste er früh schon zu den Vereinten Nationen und indigenen Organisationen, zuletzt auch zum Parlament der Weltreligionen und zu einem internationalen Kongress über Nachhaltigkeit und Spiritualität in den USA, wo er für sein Engagement den Barbara Cushing Preis erhielt.

Angaangaq wurde schon als Kind von seiner Grossmutter und Mutter auf seine Aufgabe vorbereitet. Er erkannte als Bote der Ältesten seines Landes schon früh, dass politische Tätigkeit und Reden nichts und niemanden wirklich veränderten. So folgte er dem Rat seiner Mutter, es von nun an einfach anders zu machen und das Eis im Herzen der Menschen zu schmelzen:

«Es ist leicht, das Eis auf dem Boden zu schmelzen. Am härtesten ist es, das Eis im Herzen des Menschen zu schmelzen. Nur indem wir das Eis im Herzen des Menschen schmelzen, hat der Mensch eine Chance, sich zu ändern und sein Wissen weise anzuwenden. »

Seitdem setzt sich Angaangaq weltweit für einen geistigen Klimawandel ein bei Vorträgen, Seminaren und Zeremonien, so auch in Basel am Osterwochenende vom 25. bis 27. März. Wenn irgend möglich, finden seine Veranstaltungen im Kreis statt - im Kreis, der keinen Anfang hat und kein Ende; im Kreis, dem wir alle angehören. Der Kreis ist das Fundament der spirituellen Tradition Grönlands. Diese Lehren sind sehr hilfreich für unsere Zeit - denn wir haben vergessen, im Kreis und Kreislauf des Lebens und der Natur zu sein. Im Kreis sind alle gleich:

«Die Schönheit des Kreises ist, dass wir nicht den Rücken voneinander sehen können. Die Kraft des Kreises ist, dass wir nur die Schönheit voneinander sehen können.»

Sehen wir die Schönheit und unermessliche Tiefe in uns und in anderen, so finden wir Frieden. Grönland ist das einzige von Menschen bewohnte Land, in dem es nie Krieg gegeben hat. Die Alten sagen: der Frieden fängt nicht irgendwo da draussen an, sondern in dir. Von dir aus breitet er sich dann aus in die Familie, Gemeinde, das Land und immer weiter. Auf jedem einzelnen von uns ruht also die Hoffnung in diesen Zeiten des Wandels, nicht auf unserer Regierung, Religion oder Wirtschaft.

       

Lasst uns der Verantwortung bewusst werden, unser Leben zu ehren, die Schönheit und Unermesslichkeit in uns zu erkennen und im Einklang mit Mutter Erde und ihren Kreisläufen zu leben. Das Leben selbst ist es wert, mit einer Zeremonie gefeiert zu werden.

Zeremonien bringen uns nach Hause zu uns selbst und öffnen unser Herz. Die grösste Entfernung ist weder von hier dorthin, noch von dort hierher. Nein, die grösste Entfernung im menschlichen Dasein liegt zwischen dem Herzen und dem Verstand. Nur wenn wir diese Entfernung überwinden, werden wir in der Lage sein, wie ein Adler zu segeln und die eigene Unermesslichkeit zu erkennen. Dann werden wir aufrecht und kraftvoll gehen, wie es unsere Bestimmung ist, für alle Zeit.


Über Angaangaq Angakkorsuaq

Angaangaq Angakkorsuaq wurde 1947 in Grönland in eine Familie von Heilern geboren. Er wurde von seiner Mutter und Grossmutter in die alten Traditionen seines Volkes eingeführt. Von den Ältesten seines Volkes wurde er beauftragt, die spirituelle Botschaft der Eskimos als «Läufer» in die ganze Welt zu tragen. Dies führte ihn in über 50 Länder weltweit. Er gilt als das spirituelle Oberhaupt der Eskimo-Kalaallit und repräsentierte wiederholt die arktischen Ureinwohner bei den Vereinten Nationen. In dieser Funktion sprach er bereits 1978 über das schmelzende Eis vor der UNO-Vollversammlung. Mehr unter www.icewisdom.com.

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