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Kontakte
zu Verstorbenen, The Sixth Sense
von PD Dr. Jakob Bösch
Hiesige Filmkritiker wundern sich, warum der
Film "The Sixth Sense" in den USA einen durchschlagenden
Erfolg verzeichnen konnte, über 6 Wochen die Charts anführte
und 300 Millionen Dollar oder mehr einspielte. Es sei kein
echter Gruselfilm und auch kein wirkliches Psychodrama, wurde
gesagt. Der Film dürfte nicht nur wegen seiner hervorragenden
Dramaturgie und der schauspielerischen Leistung, sondern auch
wegen seines Inhaltes die Menschen anziehen, in den USA noch
mehr als hier. Der Film schildert eine psychologische Wirklichkeit,
die in Fachkreisen kaum zur Kenntnis genommen wird und trotzdem
für hunderttausende von Kindern alltäglich ist.
Der fast gleichzeitig mit "The Sixth Sense" in den
hiesigen Kinos angelaufene Film "Stir of Echoes"
hat die gleiche Thematik zum Inhalt, zeigt aber nicht nur
ein sensitives Kind, sondern auch die gewaltsame sensitive
Öffnung eines Erwachsenen, wie sie alltäglich nicht
nur durch Hypnose, sondern auch durch körperliche und
seelische Schocks eintreten kann. Die Darstellung, wie ein
Wesen eines verstorbenen Menschen sich an lebende Menschen
wendet, um ein Verbrechen aufzuklären, entspricht durchaus
den Schilderungen vieler Betroffener. Ebenso ist recht wirklichkeitsgetreu
dargestellt, wie Betroffene selber und insbesondere die Angehörigen
beginnen an der geistigen Gesundheit derart plötzlich
sensitiv gewordener Menschen zu zweifeln.
Die amerikanische Psychiaterin Judith Orloff,
heute Professorin an der Universität von Californien
in Los Angeles, die als Kind hellsichtig und hellfühlend
war, hat in ihrem Buch "Jenseits der Angst" ausführlich
beschrieben, in welche Nöte ein sensitives Kind kommen
kann, wenn seine hellsichtigen Fähigkeiten von den Erwachsenen
nicht wahrgenommen oder geglaubt werden. Auch hier zu Lande
sind die Menschen zahlreich, die wegen ihrer paranormalen
Begabungen und dem Unverständnis der Erwachsenen als
Kinder psychische Störungen entwickelten. Noch lehnen
es Psychiater und Psychologen in der Mehrzahl ab, diese Phänomene
ernst zu nehmen und wissenschaftlich zu untersuchen. Pioniere
auf diesem Gebiet sind Marius Romme, Ordinarius für soziale
Psychiatrie in Maastrich und Phil Thomas, Ordinarius für
Psychiatrie an der Universität von Wales. Diese Autoren
weisen darauf hin, dass z.B. das Phänomen des Stimmenhörens,
nach offizieller Lehrmeinung ein Zeichen für Psychose,
bei 10 - 15% der Bevölkerung zeitweise vorkommt. In einem
bis zwei Drittel der Fälle soll es sich um Menschen ohne
psychische Störungen handeln, aber auch bei Angststörungen,
Depressionen, dissoziativen Störungen usw. findet sich
das Phänomen.
Marius Romme untersuchte und begleitete während
4 Jahren, d. h. von 1996 bis 1999 80 Kinder, die alle Stimmen
hören. Manche sehen auch farbige Auren um die Menschen
und verkehren mit "geistigen" d. h. nichtmateriellen
Wesen. Noch in diesem Jahr sollen die hauptsächlichen
Ergebnisse veröffentlicht werden.
Psychische Störungen
durch Verstorbene
1911 erschien das Buch des amerikanischen Arztes
Carl Wickland mit dem Titel: "30 Jahre unter den Toten",
in dem er eingangs beschreibt, wie er als Medizinstudent beim
Sezieren einer Leiche zusammen mit Kommilitonen von einer
nicht sichtbaren aber deutlich spürbaren Kraft angegriffen
wurde. Seine sensitiv veranlagte Verlobte konnte den "Geist"
erkennen, der zu der von den Studenten bearbeiteten Leiche
gehörte und schliesslich auch durch Aufklärung dieses
Wesens die Ruhe wieder herstellen. Carl Wickland hat mit seiner
späteren Frau als Medium über 30 Jahre lang Menschen
mit psychischen und körperlichen Störungen behandelt,
die nach den Erfahrungen dieser Arbeitsgruppe durch Seelen
von Verstorbenen verursacht worden seien. Wickland bringt
eindrückliche Fallgeschichten bei Alkoholismus und anderen
Süchten, bei Suizidalität, Verbrechen, Störungen
in der ehelichen Beziehung usw. Leider aber schreibt er nicht,
wie viele Patienten er insgesamt mit seiner Methode behandelt
hat und wie gross die Erfolgsquote war. Viele der Verstorbenen
zeichneten sich dadurch aus, dass sie einen recht eingeschränkten
Horizont und eine entsprechend enge Intelligenz hatten. Viele
dieser Wesen hätten nicht realisiert, dass sie verstorben
waren und wunderten sich nur darüber, dass sie von keinem
lebenden Menschen beachtet und bemerkt wurden. Es waren hauptsächlich
Wesen, die entweder eines plötzlichen Todes gestorben
oder die auf ein schweres Unrecht fixiert waren, das sie in
ihrem Leben begangen hatten; ausserdem überzeugte Materialisten,
die nicht glauben konnten, nach dem Verlust ihres Körpers
noch weiter ein Bewusstsein zu haben.
Der Biologe und Entwicklungsforscher Rupert
Sheldrake weist in seinem Buch "Engel die kosmische Intelligenz"
darauf hin, dass alle uns bekannten Kulturen und Religionen
die Existenz von Geistwesen, mit denen kommuniziert werden
kann, angenommen haben. Diese Überzeugung war auch ein
Teil der Wirklichkeit bei den alten Ägyptern, Griechen,
Römern und in der Bibel.
Hilfe an Jenseitige
Eine bedeutende Gruppe dieser die Menschen kontaktierenden
Geistwesen, bilden die hilfesuchenden Toten. Zahllos sind
die Berichte über Kontakte mit solchen Verstorbenen im
Mittelalter. Joseph Görres schreibt in seinem ab 1836
erschienen 5-bändigen Werk " Die christliche Mystik"
z. B. über Franziska von den Sakramenten: "Verstorbene
aller Stände, Geistliche und Weltliche, Päpste,
Erzbischöfe, Äbte, Priester, Mönche und Nonnen,
Adeliche und Unadeliche, Religiöse und Laien kamen in
ihre Zelle, erzählten ihr von ihren Nöthen, und
die Versehen, die sie zu büssen hatten, und suchten Rath
und Hülfe". Innerhalb der katholischen Kirche finden
wir immer wieder ausführliche Beschreibungen und Beobachtungen
von frommen Menschen oder Heiligen, vornehmlich Frauen, die
solchen Toten, den sogenannten "Armen Seelen" Hilfe
leisteten durch Gebet, Unterweisung und Übernahme von
asketischen Übungen oder Krankheiten. >Maria Anna
Lindmayr (1657 - 1726) im katholischen München fand kaum
Widerspruch mit ihren Berichten über den Verkehr mit
armen Seelen. Die Münchner sollen auf ihren Rat hin die
Dreifaltigkeitskirche gebaut und dadurch von der Pest verschont
geblieben sein. Die Carmelitin Lindmayr wurde schon ein Jahr
nach ihrem Tod selig gesprochen.
Ausserhalb der katholischen Kirche machte Emanuel
von Swedenborg (1688 - 1772), zunächst ein europaweit
bekannter, naturwissenschaftlich gebildeter Gelehrter besonders
von sich reden, als er sich ab 1745 als "Geisterseher"
zu erkennen gab. In diesem Jahr, also mit 57 Jahren, soll
er das erste einer Reihe von spontanen Erlebnissen gehabt
haben, die seinem Leben ein völlig neue Wendung gaben.
"In jener Nacht", berichtet er, "wurden die
Augen meines inneren Menschen geöffnet, so dass ich in
die Himmel, die Geisterwelt und die Hölle blicken konnte.
Ich fand dort viele, die ich gekannt habe - manche schon längst
gestorben, andere erst vor kurzem." Einerseits bezeugte
eine ganze Reihe hochstehender Persönlichkeiten, unter
ihnen Königin Ulrike von Schweden, sie hätten von
Swedenborg deutliche Beweise seiner Fähigkeit erhalten,
in dem er ihnen Mitteilungen von Verstorbenen machte, die
er unmöglich habe wissen können. Andererseits wurde
Swedenborg heftig angegriffen, unter anderem von Kant. Der
im 18. Jahrhundert sich stärker ausbreitende Materialismus
machte es den Exponenten des Spiritismus immer schwerer, Glauben
zu finden, unabhängig ob sie sich innerhalb oder ausserhalb
der katholischen Kirche befanden.
Anna Katharina Emmerich (1774-1824), deren Visionen
über das Leben Jesu vom Dichter Clemens Brentano während
Jahren aufgezeichnet wurde, die aber daneben auch immer wieder
Verstorbenen zur Erlösung geholfen habe, musste sich
diversen Prüfungen unterziehen und wurde heftig angefeindet,
ebenso wie die sie betreuenden Ärzte und Priester.
Justinus Kerner, der gleichzeitig ein naturwissenschaftlich
ausgerichteter Arzt und ein romantischer Dichter war, veröffentlichte
1829 den Bericht über seine Patientin Friederike Hauffe
unter dem Titel "Die Seherin von Prevorst". Das
Buch löste einen wahren Aufruhr aus. Ein Freund des Autors
schrieb 1830 aus Berlin, die Leute würden sich das Buch
förmlich aus den Händen reissen. Es wurde die berühmteste
und wahrscheinlich auch umschrittenste Krankengeschichte des
19. Jahrhunderts. Kerner war mit naturwissenschaftlicher Beobachtungsschärfe
und Experimentierfreudigkeit ans Werk gegangen. Neben vielen
anderen Versuchen und Erkenntnissen bildete der Verkehr mit
Verstorbenen, "das Hereinragen der Geisterwelt in die
Unsere" einen wesentlichen Teil des Buches. Friederike
Hauffe beklagte sich oft über den Eigensinn der Verstorbenen,
denen sie mit Gebet und Aufklärung helfen wollte. Die
Verstorbenen hielten oft an ihrer Idee fest, irgend ein Vergehen
in ihrem Leben müsste korrigiert oder aufgelöst
werden. Offenbar gelang es Kerner in einigen Fällen,
Tatsachen aufzudecken nach Angaben der Verstorbenen, die weder
die Patientin noch er selber wissen konnten. In einem Falle
wurden sogar bei Grabungen nach den Angaben einer sich als
Kindsmörderin bezeichnenden Wesenheit, die Gebeine eines
Kindes gefunden. Die Erscheinungen wurden von der Seherin
oft zuerst dunkel und mit zunehmendem Gebet und Bekehrung
heller und heller wahrgenommen, bis diese Wesen sich verabschiedeten.
Daneben scheinen die den Menschen sich zeigenden Verstorbenen
immer eine allegorische Aufmachung mit typischen Merkmalen
aus ihrem Leben zu wählen, so dass sie leicht erkannt
werden können.
Kerner selber bemerkte, dass oft die Vorurteile
der Verstorbenen, deren Weiterkommen in der jenseitigen Welt
behindern würden. Andere Kritiker bemerkten, nach Aussagen
dieser Wesenheiten müsse man annehmen, dass der Mensch
nach seinem Tode allmählich zu einer Art Schwachsinnigen
degeneriere. Schoppenhauer ärgerte sich, aus den Angaben
und dem Benehmen dieser Geister müsse auf eine "empörend
absurde, ja niederträchtig dumme Weltordnung" geschlossen
werden. Manche Dichter und Philosophen des 18. und 19. Jahrhunderts
haben sich zur Frage der Geisterwelt geäussert.
Im Jahre 1859 veröffentlichte Allan Kardec
mit bürgerlichem Namen Rivail geheissen, ein ehemaliger
Schüler Pestalozzis, sein erstes Werk: " Das Buch
der Geister". Dieses und seine folgenden Bücher
verursachten ein gewaltiges Aufsehen. Sie wurden immer wieder
neu aufgelegt und in mehrere Sprachen übersetzt. Vor
allem in den lateinischen Ländern fand Kardec ein grosses
Echo. In Brasilien bildet der Espiritismo oder Kardesismo
neben Candomblé und Umbanda zwar die kleinste der drei
grossen spiritistischen Strömungen, zählt aber immer
noch 8 bis 10 Millionen Anhänger. Die Bücher Kardecs
sind eine Art Bibel des Spiritismus geworden und in Brasilien
spricht man offiziell von der "Doutrina", der Doktrin
von Kardec. Sowohl in Kontinentaleuropa wie in England gab
es im 19. Jahrhundert eine ganze Reihe weiterer Gelehrter,
die die Phänomene der sogenannten Geisterwelt untersuchten
und damit unter anderem den anglo-amerikanischen Spiritualismus
begründeten. Freud grenzte sich scharf gegen alle sogenannt
paranormalen Phänomene und damit auch gegen seinen früheren
Schüler C.G. Jung scharf ab. Erst kurz vor Ende seines
Lebens bekannte er, er würde sich dem Studium der paranormalen
Phänomene widmen, wenn er sein Leben noch vor sich hätte.
Freud war in eine Zeit hineingeboren worden, da die aufsehenerregenden
Erfindungen wie Phonograph, Auto, Flugzeug usw. das Interesse
der Menschen mehr und mehr auf die materielle Welt lenkten
und Wissenschaft mit Materialismus gleichgesetzt wurde.
Heutige Strömungen
In der englischen Heiler- und Medienausbildung
bildet die Kontaktaufnahme zu Verstorbenen in der Mehrzahl
der Fälle einen Teil des Lehrganges. In Brasilien bildet
der Glaube an den Kontakt mit Verstorbenen nicht nur ein wichtiges
Element in den verschiedenen spiritistischen Gruppierungen,
auch die Abgrenzung zur katholischen Kirche ist fliessend.
Trancesitzungen einzeln und in Gruppen in denen Verstorbene
ins Licht "geschickt" und Lebende dadurch von Krankheit
befreit werden, finden täglich viele Tausendmal statt.
Auch hierzulande ist innerhalb der katholischen Kirche die
Hilfe für arme Seelen durch besonders dafür ausgewählte
Personen weiterhin ein Thema. 1968 erschien der Bericht der
Vorarlbergerin Maria Simma, einer einfachen Frau aus dem im
grossen Walsertal gelegenen Dorf Sonntag. Ihre Berichte haben
grosse Ähnlichkeit mit den Schilderungen ihrer Vorgängerinnen,
wie Maria Anna Lindmayr oder Friederike Hauffe. Die Erscheinungen
der Verstorbenen bestürmen sie mit Anliegen, die sie
stellvertretend bei lebenden Angehörigen erledigen soll,
oder mit Bitte um Gebet oder Übernahme von Sühne
und körperlichen Leiden. Das Büchlein erlebte innert
kürzester Zeit unzählige Auflagen und wurde in mehrere
Sprachen übersetzt. Von Maria Simma liegen die Zeugnisse
ihrer geistlichen Betreuer sowie ein sechsseitiges psychologisches
Gutachten eines Universitäts-Institutes vor, dass es
sich um eine integre und geistig-seelisch gesunde Person handeln
würde.
In der neueren spirituell-esoterischen Bewegung
ist die Zahl der Medien unübersehbar geworden, die behaupten,
mit Verstorbenen in Kontakt treten und unter Umständen
dadurch auch Lebende von gesundheitlichen Störungen befreien
zu können. Seriös und illustrativ für die Arbeitsweise
erscheint z.B. der autobiographische Bericht der Innerschweizerin
Silvia Wallimannin ihrem ersten Büchlein: "Lichtpunkt".
Das Gegenstück dazu bildet ein sensationell aufgemachtes
Buch, eines international bekannten Mediums, das vor ein paar
Jahren von ihrem damaligen Partner stimuliert wurde, aktiv
Kontakt zu allen möglichen berühmten Leuten wie
Louis Amstrong, J.F. Kennedy, Marylin Monroe und vielen anderen
aufzunehmen. Der Partner des Mediums wollte sogar einen per
Abonnement bezahlten Informationsdienst aus dem Jenseits aufbauen,
das Medium machte aber schliesslich nicht mehr mit und trennte
sich von dem Mann.
In den USA gibt es eine wachsende Zahl von Psychologen, Theologen
und Ärzten, die sich der Spirit Releasement Therapy verschrieben
haben und in zwei Verbänden organisiert sind. Die ASRT
(Association for Spirit Releasement Therapy) berichtet von
rasch zunehmenden weltweiten Kontakten, organisiert Workshops
und Konferenzen und hat schon zahlreiche Bücher und Manuale
herausgegeben. Die Therapeuten arbeiten teilweise mit den
Betroffenen direkt, teilweise mit Hilfe eines Mediums. Immer
mehr werden entsprechende Therapien auch auf Entfernung gemacht.
Eines der Hauptziele dieser Gruppierungen ist die Anerkennung
ihrer Therapien bei den grossen medizinischen und psychologischen
Verbänden. Als Begründerin dieser Therapieform darf
die amerikanische Psychologin Edith Fiore (1997) mit ihrem
Buch "The Unquiet Death" angesehen werden. Bisher
liegen viele Fallberichte über Heilungen vor, jedoch
kaum Angaben über Erfolgsquoten, Indikationen und Langzeitwirkungen.
Heimat im Licht
oder Ort der Verdummung?
Vergleicht man die Beschreibungen, die hilfesuchende
Verstorbene den sensitiv begabten Menschen über das Erleben
im Jenseits geben, zeigen sich eklatante Unterschiede zu den
"Jenseitserfahrungen" klinisch toter Menschen, die
wiederbelebt wurden. Die einen realisieren oft nicht, dass
sie gestorben sind und wenn sie sich doch darüber klar
geworden sind, irren sie umher, versuchen sich an Menschen
zu hängen oder haften an ihnen vertrauten Orten. Aus
den Nahtodeserlebnissen erfahren wir, wie die vom Körper
befreite Seele durch einen Tunnel in ein meist wunderbares
Licht schwebt, geistige Führer oder Christus antrifft,
Lebensrückschau hält und aus Sehnsucht nach der
lichtvollen Welt nicht mehr ins Erdenleben zurückkehren
möchte. Aus den divergierenden "Jenseitserfahrungen"
werden ebenso unterschiedliche Vorstellungen über eine
Existenz nach dem Tode entwickelt. Daraus könnte geschlossen
werden, dass gewisse Menschen Führer antreffen und ins
Licht geleitet werden, andere aber auf dieses Privileg "Ins
Licht abgeholt" zu werden verzichten müssen und
als Verstorbene ohne Körper weiterhin auf der Erde umher
irren, bis ihnen zufällig ein Medium oder ein Spirit-Releasement-Therapeut
begegnet. Allerdings werden durch eine solche Deutung mehr
Fragen aufgeworfen als beantwortet. Zunächst ist zu fragen,
warum bisher so wenig über "negative" Nahtodeserlebnisse
berichtet wurde. Raymond Moody (1975) berichtet über
gar keine solchen negativen Erlebnisse und Kenneth Ring stellte
1984 fest: "Die meisten Experten scheinen darin übereinzustimmen,
dass es sich um 1% oder weniger aller berichteten Fälle
handelt". Tatsächlich scheinen jedoch solche negativen
Berichte deutlich häufiger zu sein als bisher -wie oben
zitiert- in der Literatur angeführt wurde. Die amerikanische
Ärztin Barbara R. Rommer berichtete 1999 (Free Spirit,
Vol. 4/3 und 4), dass die "Less Than Positiv" (LTP)
Erfahrungen nach den Erkenntnissen von ihr und anderen Forschern
15 - 18% der Nahtodeserlebnisse ausmachten. Die Betroffenen
würden die Erlebnisse kaum berichten aus Angst, kritisiert
und verurteilt zu werden. Die Erfahrungen würden hauptsächlich
Schrecken, Verzweiflung, Schuldgefühle und überwältigende
Einsamkeit beinhalten. Rommer ist überzeugt, dass auch
diese Erlebnisse meist Anstoss zu tiefgreifendem spirituellem
Wachstum seien.
Weiter ist zu fragen, warum die Schilderungen
Verstorbener wie sie uns durch Medien berichtet werden, oft
so banal und wenig intelligent erscheinen, selbst wenn es
sich um die Wesen von auf Erden überdurchschnittlich
begabten Menschen handeln soll. Eine Erklärung könnte
sein, dass diese Medien sich täuschen und sich nur einbilden,
zu ehemals berühmten Diesseitigen in Kontakt zu stehen.
Diese Erklärung mag teilweise zutreffen, dürfte
aber insgesamt dem Verständnis dieser Phänomene
nicht gerecht werden. Eine wesentlich tiefer greifende Erklärung,
die aber bisher noch kaum diskutiert wurde, besagt, dass auch
bei Verstorbenen Dissoziationen, d. h. Abspaltungen von Bewusstseins-
oder Persönlichkeitsanteilen vorkommen können. Bei
lebenden Menschen spricht man von Verdrängung ins Unbewusste.
Wenn jedoch kein Körper als gemeinsames Verbindungsglied
mehr vorhanden ist, könnte ein Bewusstseinsteil "verloren"
gehen und als quasi selbständige Wesenheit in einer nichtkörperlichen
Existenzebene angetroffen werden. Was sensitiven Menschen
dann oft begegnet, wären nicht notwendigerweise Verstorbene
sondern allenfalls nur abgespaltene Bewusstseinsteile davon.
Für diese Sichtweise spricht die jahrtausendealte schamanische
Überlieferung, dass Seelenteile durch Schockerlebnisse
im Leben abgespalten und in der nichtalltäglichen Wirklichkeit
von Schamanen gefunden werden können. Ausführliche
Beschreibungen finden sich in den ins Deutsche übersetzten
Büchern von Sandra Ingermann. Demnach wäre ein plötzlicher
Tod und insbesondere ein Unfalltod selber ein Schockerlebnis,
das zu Seelenverlust führen kann.
Ein riesiger interdisziplinärer Forschungsbedarf
in der Psychologie, Psychiatrie Ethnologie und Theologie tut
sich hier auf. Es ist zu hoffen, dass auch die Universitäten
die materialistischen Vorurteile überwinden und sich
diesen Fragen öffnen.
Literaturangaben
Emmerich Anna Katharina (1974), Visionben und
Leben, München, ISBN 3-87904-043-5
Fiore Edith (1997) THe Unquiet Death, Ballantine
Publishing, New York, ISBN 0-345-42021-7
Görres Joseph (1960), Die christliche Mystik,
GrazDruck- und Verlagsanstalt,
Ingermann Sandra (1998), Auf der Suche nach
der verorenene Seele, Ariston, Kreuzlingen,ISBN 3-7205-2019-6
Ingermann Sandra (1999) Welcome Home - Die Heimkehr
der Seele; Kreuzlingen, München, iSBN 3-7205-2069-2
Kerner Justinus (1973), Die Seherin von Prevost,
Stuuttgart, ISBN 3-7984-0131-4
Lindmayr Maria Anna (1974), Mein Verkehr mit
den armen Seelen, Stein a. Rhein, ISBN 3-7171-0567-1
Sheldrake Rupert (1998), Engel, die kosmische
Intelligenz, Kösel, München, ISBN 3-466-36504-X
Simma Maria (1968), Meine Erlebnisse mit Armen
Seelen, Stein a. Rhein, ISBN 3-71710217-6
Wallimann Silvia (1995), Lichtpunkt, Freiburg,
ISBN 3-7626-0310-3
Wickland Carl (1994), Dreissig Jahre unter den
Toten, St. Goor, ISBN 3-876667-001-2
Moody Raymond (1975) Life after Life. Simons
Island, GA: Mockingbird
Ring Kenneth (1984) Heading Toward Omega: In
Search of th Meaning of the Near-Death Experience. New York:
Morrow
Rommer Barbara (1999) The Less Than Positive
Near-Death Experience; Free Spirit (Vol 4/3&4) pp1-8
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