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Kranken
Umwege und Irrwege ersparen
von Dr. Harald Wiesendanger
Wer chronisch erkrankt, den
bestraft unser Gesundheitssystem
doppelt. Zum einen führt es ihn bevorzugt sogenannten
„Schulmedizinern“ zu, die bestürzend oft
zuwenig bis gar nichts für ihn tun können –
und wenn doch, dann zumeist kostenintensiv und reich an Nebenwirkungen.
Zum anderen lässt es ihn ausgerechnet an jenem Punkt
seines Lebenswegs, an dem er auf Orientierungshilfen besonders
angewiesen ist, allein in einem Dschungel umherirren: einem
wuchernden Wirrwarr von konventionellen und alternativen Therapieangeboten,
in dem selbst Experten leicht den Überblick verlieren
– erst recht der medizinische Laie, der möglichst
rasch und geradewegs jener Behandlung zugeführt werden
will, die Krankheitsfällen wie seinem am zuverlässigsten
beikommt.
Diesen Missstand könnte
Dr. Schaubs Projekt „Coaching for Health“ beheben.
Es gelingt ihm mit einem durch und durch pragmatischen Ansatz,
der im Kern so verblüffend einfach ist, dass man kaum
fassen kann, wieso er nicht schon längst realisiert ist
– und wieso die Initiative dazu nicht von Gesundheitsministerien,
Hochschulinstituten oder Krankenkassen ausging, sondern erst
von einem praktizierenden Arzt auf Kosten seiner Freizeit
ergriffen werden musste. Coaching for Health tut nichts weiter,
als möglichst viele Behandlungsverläufe zu dokumentieren,
statistisch auszuwerten und mittels eines brillanten Computerprogramms
sekundenschnell überschaubar zu machen. Damit kann es
die beiden entscheidenden Fragen beantworten, die sich bei
der Therapiewahl stellen: Welche Heilmethoden erreichen bei
bestimmten Diagnosen am meisten? Und welche Therapeuten wenden
sie besonders effektiv an?
Dabei wird ein rein ergebnisbezogener
Wirksamkeitsnachweis geführt: Coaching for Health hinterfragt
nicht, warum eine bestimmte Therapie hilft. Sie konstatiert,
ob und inwieweit sie es tut, wie nachhaltig die erzielten
Erfolge sind und welcher Aufwand, zeitlich ebenso wie finanziell,
dafür erfahrungsgemäss zu treiben ist.
Konsequent weiterentwickelt,
könnte dieser Ansatz bald nicht nur unzähligen Patienten
Umwege und Irrwege ersparen. Er hat das Potential, unser Gesundheitswesen
zu revolutionieren, wobei die Eindämmung der vielbeklagten,
doch scheinbar therapieresistenten Kostenexplosion bloss eine
von zahlreichen erfreulichen Nebenwirkungen darstellt. Es
ist nur eine Frage der Zeit, bis die erste
Krankenkasse entdeckt, welch enorm effizientes, denkbar einfach
einzusetzendes Instrument ihr Coaching for Health an die Hand
geben könnte – und welche Wettbewerbsvorteile sie
sich verschaffen
würde, wenn sie es nutzt. Ebenso fasziniert mich an diesem
Ansatz die Chance, konventionelle und komplementäre Therapieformen
einem undogmatischen Leistungsvergleich zu unterziehen –
und heilberuflich Tätige, gleich welcher Herkunft, in
ein kommunikatives Netz einzubinden, dem sie kontinuierlich
Daten eingeben und entnehmen, im Bestreben, ihren Patienten
zugute kommen zu lassen, was auch immer die grösste Wahrscheinlichkeit
hat, deren Leid zumindest zu lindern.
Ich hatte die Freude, die
bisherige Entwicklung des Coaching for Health-Projekts beinahe
von seiner Geburtsstunde an aus nächster Nähe mitzuverfolgen
– und dabei immer klarer zu sehen, dass seine Bedeutung
kaum überschätzt werden kann. Nur wer selbst schon
einmal viele Jahre seines Lebens damit zugebracht hat, eine
Vision gegen vielfältigste Widerstände beharrlich
umzusetzen, kann wirklich ermessen, was der Initiator, der
Schweizer Arzt Dr. Beat Schaub aus Binningen bei Basel, schon
jetzt geleistet hat. Was er dafür an Opfern auf sich
nahm – zeitlich, privat, finanziell –-, werden
ihm bald Abertausende von Patienten danken, dessen bin ich
sicher.
Weitere Texte von Dr. Harald
Wiesendanger finden Sie
auf seiner Website www.psi-infos.de
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