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Was ist Fernheilen?
Das „Fernbehandeln“, die angebliche
Übertragung von „Heilenergien“ über
beliebige Entfernungen hinweg, zählt zu den rätselhaftesten
Formen geistigen Heilens. Was Heiler im persönlichen
Kontakt mit Hilfesuchenden bisweilen zustandebringen, wird
von Kritikern gewöhnlich auf die Glaubensbereitschaft
der Behandelten („Placebo-Effekt“), auf Suggestionen
und die charismatische Erscheinung des Heilers zurückgeführt.
Aber wie soll Geistheilung gelingen können, wenn der
Klient von seinem Therapeuten Hunderte von Kilometern entfernt
ist, ihm vielleicht niemals begegnete und womöglich nicht
einmal weiss, dass auf Distanz mit ihm gearbeitet wird? Wie
sollen übermittelte „Heilkräfte“ zielgenau,
selbst zu anderen Kontinenten hin, einen bestimmten Empfänger
erreichen können, ohne sich dabei im geringsten abzuschwächen?
Um solche „Fernbehandlungen“ durchzuführen,
genügen den meisten Heilern Name und Adresse des Kranken,
ein Foto oder irgendein persönlicher Gegenstand von ihm.
Über Effekte des „Fernheilens“
liegen unzählige verblüffende, teilweise durch ärztliche
Gutachten bestätigte Anekdoten vor, bisher jedoch kaum
wissenschaftliche Untersuchungen.
Schon 1972 entdeckte der amerikanische Biochemiker
Dr. Robert Miller in einer Versuchsreihe am Physikalischen
Institut des Agnes-Scott-College in Atlanta: Pflanzen sprießen
bis zu siebenmal schneller, sobald ein Fernheiler dafür
betet. Er stellte bei Gräsern einen plötzlichen
Wachstumsschub fest - von derselben Stunde an, als sich die
namhafte Gesundbeterin Olga Worrall, vom 950 Kilometer entfernten
Baltimore aus, darauf konzentrierte: Statt durchschnittlich
0,15 sprossen sie nun 1,3 Millimeter pro Stunde in die Höhe
(Psychic 3/1972).
Die mittlere Überlebensrate von isolierten
Tumorzellen änderte sich zeitweilig um 200 bis 1200 Prozent,
als sich der britische Heiler Matthew Manning darauf konzentrierte
- selbst wenn er sich in einem anderen, elektrisch abgeschirmten
Raum aufhielt. (Journal of the Society for Psychical Research
50/1979)
In einer Serie von 16 Fernheiltests scheint
es einer Gruppe von sieben Heilern gelungen zu sein, aus zwanzig
Kilometern Entfernung Pilzkulturen zu beeinflussen, von denen
ihnen nur Fotos vorlagen: Wuchsen die Kulturen normalerweise
um 0,65 Millimeter pro Stunde, so schrumpften sie im Testzeitraum
stündlich um 1,96 Millimeter (Research in Parapsychology
1980, hrsg. v. W. Roll).
Auch im Tierversuch zeigten sich sonderbare
Effekte: Fernbehandelte Ratten scheinen eher vor einem Befall
durch Blutparasiten Babesia Rodhani geschützt, fernbehandelte
Hamster eher vor Amyloidose, einer Stoffwechselstörung
(European Journal of Parapsychology 5/1990-91 bzw. 5/1983).
Die bislang überzeugendste und zugleich
aufwendigste Studie veröffentlichte der amerikanische
Arzt Dr. Randolph Byrd 1988 (Southern Medical Journal Nr.
81). Aus 393 koronar Herzkranken, die stationär in einem
Krankenhaus von San Francisco behandelt wurden, ließ
er nach einem Zufallsverfahren 192 auswählen, für
die christliche Gebetsheiler in ganz Amerika fortan zehn Monate
lang täglich beteten. Die Studie war „doppelblind“
angelegt: Weder die Patienten, noch Byrd selbst, noch sonstige
beteiligte Ärzte und Wissenschaftler, konnten wissen,
welche Patienten „ferngeheilt“ wurden und welche
nicht. Auch waren beide Gruppen, die Fernbehandelten und die
Kontrollgruppe, hinsichtlich wichtiger Faktoren wie Altersverteilung,
organischer Befund, Beschwerden und medizinische Versorgung
vergleichbar zusammengesetzt. Um so mehr verblüfft Dr.
Byrds Testbilanz: Bei denjenigen Herzkranken, für die
gebetet wurde, traten im allgemeinen deutlich weniger Komplikationen
auf. Sie mussten auffällig seltener künstlich beatmet
werden (0 zu 12), benötigten seltener Antibiotika (3
zu 16) und Diuretika, harntreibende Mittel (5 zu 15). Die
Herz-Lungen-Tätigkeit setzte in weniger Fällen kurzzeitig
aus (3 zu 14), und auch pulmonare Ödeme, also Wasseransammlungen
in der Lunge, kamen seltener vor (6 zu 18). „Solche
erstaunlichen Beobachtungen“, erklären die Veranstalter
der diesjährigen Basler „Psi-Tage“, „harren
bis heute der unvoreingenommenen Überprüfung“.
Jüngste Untersuchungen am Stuttgarter „Institut
für Kommunikation und Gehirnforschung“ deuten darauf
hin, dass Fernbehandlungen zu rätselhaften neurologischen
Veränderungen führen können. Der Institutsleiter
Dr. Günther Haffelder, Physiker und Psychologe, wies
kürzlich mit Hilfe der „EEG-Spektralanalyse“,
einem von ihm selbst in 17jähriger Forschungsarbeit entwickelten
Verfahren zur Hirnstrommessung, nach: Geistheilungen lösen
im Gehirn von Behandelten auffällige Veränderungen
vor allem im Delta-Bereich (bis 3 Hertz/ Schwingungen pro
Sekunde) aus, bei EEG-Wellenmustern also, die gewöhnlich
nur während traumloser Schlafphasen auftreten; ausserdem
kommt es vorübergehend zu einer merkwürdigen Angleichung
der EEG-Muster von Heilern und Behandelten. Dieses Phänomen
tritt sogar dann auf, wenn sich der Patient mehrere hundert
Kilometer von seinem Heiler entfernt aufhält - und in
Unkenntnis des Zeitpunkts gelassen wird, zu dem die Fernbehandlung
stattfindet.
Hilfsmittel „mit
heilender Energie aufgeladen“?
Manche Geistheiler setzen „leblose“
Gegenstände als (Über-)Träger von Heilenergien
ein: An Hilfesuchende verteilen sie Tücher, Wasser, Öl,
Steine, Kristalle, Stanniolkugeln, Schmuckstücke oder
sonstige Objekte, die sie zuvor angeblich „energetisiert“,
d.h. aufgeladen haben. Solche Fetische beschleunigen Genesungsprozesse
angeblich in medizinisch unerklärlicher Weise, sobald
ein Kranker mit ihnen in Kontakt gerät.
Steckt in derartigen Praktiken ein rationaler
Kern, der über Suggestiveffekte hinausgeht? Ist ihre
Wirkungsweise ein Phänomen, das Ärzte und Wissenschaftler
herausfordern müsste?
Auch hierfür gibt es erste wissenschaftliche Anhaltspunkte.
In Versuchsreihen an der Universität Montreal,
bei dem kanadischen Biologen Bernard Grad, versuchte der ungarische
Heiler Oskar Estebany, Wolle „mit Heilenergie“
aufzuladen. Bei Mäusen, in deren Käfig diese Wolle
lag, schritt eine Jodstoffwechselstörung der Schilddrüse,
die zur Kropfbildung führt, deutlich langsamer fort als
in Kontrollgruppen (Journal of the American Society for Psychical
Research 59/1965).
Von Heilern „aufgeladenes“ Wasser
läßt Pflanzensamen anscheinend schneller keimen
und wachsen (International Journal of Parapsychology 5/1963),
erhöht die Aktivität bestimmter Enzyme im Reagenzglas,
verringert das Wachstum von Tumorzellen (Rein: Quantum Biology:
Healing with Subtle Energy, Palo Alto 1992).
Mitarbeiter der Medizinischen Poliklinik
der Universität Freiburg/Breisgau ließen schon
Mitte der fünfziger Jahre einen Geistheiler 228 Patienten
mittels Folien aus Stanniol „fernbehandeln“, die
er vorher in seinen Händen gehalten und „durchströmt“
hatte, wie er dies nannte. Immerhin bei 62 von ihnen, also
mehr als einem Viertel, liessen Beschwerden deutlich nach,
als die Folien auf betroffene Körperteile gelegt, unter
dem Kopfkissen ausgebreitet oder auch ständig auf der
blossen Haut getragen wurden
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