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Stand
der wissenschaftlichen Erkenntnisse
von PD Dr. Jakob Bösch
Einleitung
Komplementäre Heilmethoden haben auch in der Schweiz
einen immer grösseren Stellenwert. Vor allem in der somatischen
Medizin ist diese Tendenz deutlich (Bürgi et al.1996).
Die Gründe liegen vor allem in der Skepsis der PatientInnen
gegenüber chemischen Medikamenten und ihrer Nebenwirkungen
und in weltanschaulichen Gründen, indem sie es vorziehen,
als "ganze Menschen", nicht nur als krankes Organ,
behandelt zu werden (Messerli-Rohrbach 1999). Um diesen Ansprüchen
Rechnung zu tragen, hat das Bundesamt für Sozialversicherung
beschlossen, fünf komplementäre Heilmethoden, die
z.T. auch auf der Annahme von Energieflüssen im menschlichen
Körper beruhen, ab 1.7.1999 als durch die Krankenkassen
zu bezahlende medizinische Grundleistung probeweise für
fünf Jahre zuzulassen.
In der Psychiatrie und Psychotherapie, die ja
das Leiden der PatientInnen nicht ausschliesslich auf körperliche
Dysfunktionen zurückführen kann, fassen interessanterweise
die Ideen komplementärer Behandlungsmethoden, abgesehen
von den Erkenntnissen weniger PionierInnen (Berner-Hürbin
1997), erst langsam Fuss. Die Pro Mente Sana hat an ihrem
Kongress im November 1998 gefordert, dass der Grundsatz der
Therapie-Wahlfreiheit für komplementäre Methoden
nicht nur im ambulanten Bereich, sondern auch in der stationären
Psychiatrie gelten soll. Dabei soll der Sicherung der Qualität
Beachtung geschenkt werden und die Finanzierung soll sozial
gesichert sein, um eine Zweiklassen-Medizin zu verhindern
(Gassmann 1999:309).
Die Externen Psychiatrischen Dienste Baselland
(EPD) befassen sich seit einigen Jahren mit komplementären
Heilmethoden. An unserem Dienst werden u.a. anthroposophische,
psychotherapeutisch- und körperorientierte, phytotherapeutische
und homöopathische Behandlungen angeboten und seit 1996
finden auch Versuche mit geistig-energetischer Behandlung
statt. Diese Heilmethode geht, ähnlich wie z.B. die Traditionelle
Chinesische Medizin, davon aus, dass die Menschen komplexe
Systeme von Energien und Schwingungen darstellen und dass
ein gestörter oder unausgeglichener Energiehaushalt Ursache
von Krankheiten sein kann. Die geistig-energetische Heilmethode
zielt darauf ab, diese Energien auszugleichen und so den Weg
frei zu machen für eine Verbesserung des gesundheitlichen
Wohlbefindens. Die Heilmethode wird angewendet von Personen,
die in der Lage sind, die Energieflüsse bei anderen Menschen
wahrzunehmen und sie mittels bestimmten Techniken auszugleichen.
Diese ersten Versuche an den EPD deuteten darauf
hin, dass die Heilmethode auch im psychiatrischen Bereich
Erfolge zeitigen kann. Allerdings stellten wir auch fest,
dass nicht alle HeilerInnen für eine langfristige Zusammenarbeit
mit einer Institution geeignet sind. 1997 kamen die EPD in
Kontakt mit einer Heilerin, die zum einen bereits vielversprechende
Heilerfolge bei diversen Leiden aufweisen konnte und zum andern
bereit war, im Rahmen unserer Institution in Zusammenarbeit
mit der Schulmedizin ihre Heilmethode evaluieren zu lassen.
Seit Januar 1998 wurden die PatientInnen, die die Behandlung
der Heilerin in Anspruch nahmen, mittels einer qualitativen
Erhebung wissenschaftlich begleitet. Der vorliegende Bericht
umfasst die Auswertung der Daten der ersten 20 PatientInnen,
die den ganzen Evaluationsprozess durchlaufen haben. Die Auswertung
von weiteren rund 40 PatientInnen wird folgen.
Forschungsstand
zum Thema Geistiges Heilen
Zum Thema geistiges Heilen hat Benor (1992)
zahlreiche wissenschaftliche Studien, die sich mit dem Phänomen
des Einwirkens bestimmter Personen auf Enzyme, Einzeller,
Pflanzen, Tiere und Menschen befassen, einer Meta-Analyse
bezüglich Resultaten und wissenschaftlicher Methodik
unterzogen. Er findet es bedauerlich, dass darunter zahlreiche
wissenschaftlich anspruchsvolle Arbeiten sind, die in medizinischen
Fachzeitschriften keine Chance hatten, aufgenommen zu werden
und daher in, ebenfalls teilweise peer-reviewten, parapsycholgischen
Zeitschriften publiziert worden sind (Benor 1992:17). Nach
Prüfung von unzähligen kontrollierten und unkontrollierten
Studien kommt er zum Schluss: "I submit that it is adequately
demonstrated that healing is an effective treatment modality.
Healing offers a potent complement to conventional therapies.
We must get on with making healing available to those in need"
(Benor 1992:301). Allerdings scheint dem Aspekt des geistigen
oder spirituellen Heilens in der Medizin schon bisher eine
gewisse Bedeutung zugekommen zu sein, fanden doch Lukoff et
al. in ihrer systematischen Analyse von Fallbeispielen in
der medizinischen Fachbibliothek Medline von 1980-1996 346
Abstracts, die Fallbeispiele mit religiösen oder spirituellen
Themen beinhalteten.
Neuere Arbeiten haben offenbar grössere
Chancen, in die medizinischen Fachzeitschriften aufgenommen
zu werden. Eine neuere Studie zeigt die Wirkung von Fernheilung
auf Aids-Patienten (Sicher et al. 1998). Ein Artikel im Journal
of the American Medical Association beschäftigt sich
mit der Behandlung von Leukämie mittels eines Amulettes
(Rosner 1999) und in einer anderen medizinischen Zeitschrift
(Acad Med) findet sich auch ein Aufruf an die Ärzte,
ihren eigenen spirituellen Überzeugungen nachzugehen
und sie mit anderen auszutauschen, um den spirituellen Bedürfnissen
der PatientInnen genügen zu können (Sulmasy 1999).
Die Methode des geistigen oder spirituellen
Heilens wird auch unter dem Begriff des Therapeutic Touch
(Krieger 1979) angewendet. Da sich der Ansatz der EPD stark
an dieser Methode orientiert, seien in der Folge einige entsprechende
Forschungsarbeiten aufgeführt. Zahlreiche Studien mit
umschriebenen Krankheitsbildern wurden nach dem klassisch-schulmedizinischen
Forschungsansatz mit Kontrollgruppen durchgeführt. Je
nach Perspektive der Experten gehen die Meinungen sehr auseinander
über die nachgewiesene Effizienz dieser Studien, die
sich unter anderem auch mit psychiatrischen Störungen
wie Angst-Zuständen befassten (Clark & Clark 1984
und Achterberg 1998). Spence & Olson (1997) haben zahlreiche
quantitative Studien zum Therapeutic Touch (TT), die zwischen
1985 und 1995 erarbeitet worden sind, einer Meta-Analyse unterzogen.
Obwohl sie die Studien bezüglich Methodologie z.T. kritisch
hinterfragen, kommen sie zum Schluss, dass die Reduktion von
Schmerz und Angst durch TT belegt sei. Neuere Studien belegen
die Wirkung von TT am Beispiel der Wundheilung (Wirth 1990)
oder zeigen, dass im Falle von PatientInnen mit Osteoarthritis
am Knie TT nicht nur zur Schmerzreduktion, sondern auch zur
Verbesserung der Gelenkfunktion wirksam ist (Gordon et al.
1998).
Bezüglich geistigem Heilen und Psychiatrie
gibt es noch sehr wenige Studien. Campion und Bhurgra (1997)
berichten von der Behandlung durch religiöse Heiler (Hindu,
Muslime und Christen) in Südindien. Auch TT wurde zur
Behandlung von stationären adoleszenten Psychiatrie-PatientInnen
eingesetzt, offenbar mit guten Resultaten (Hughes et al. 1996).
Theoretischer
Hintergrund des geistig-energetischen Heilens
Als psychiatrischer Dienst sind wir primär
daran interessiert, unseren PatientInnen komplementäre
Behandlungsmethoden unter kontrollierten Bedingungen anbieten
zu können, Behandlungsmethoden, die sie sowieso in Anspruch
nehmen. Es liegt uns als PraktikerInnen fern, uns in die Diskussionen
der theoretischen Physik einmischen zu wollen, trotzdem denken
wir, dass es sinnvoll sein kann, mögliche theoretische
Zusammenhänge der modernen Physik mit dem geistig-energetischen
Heilen aufzuzeigen.
Die heutige klassische Medizin und insbesondere
die Medizin-Technik arbeiten zum grössten Teil mit den
Annahmen der Newtonschen Physik. Nach dem bekannten Quantenphysiker
David Bohm (1991) scheint unter Physikern weitgehend Einigkeit
zu bestehen, dass die Newtonsche Physik zwar nur ein Spezialfall
der allgemein gültigen Quantenphysik darstellt, dass
sich aber im Alltag und in der Anwendung der Technik meist
ohne grössere Fehler damit arbeiten lässt. Viele
Vertreter der klassischen Medizin halten jedoch die Theorien
der Newtonschen Physik für die Wirklichkeit schlechthin.
Auf der anderen Seite wird von Vertretern der Komplementär-Medizin
behauptet, der Mensch lasse sich nur adäquat verstehen
und behandeln mit einem Denksystem, das sich an die Quantentheorie
anlehne.
Nach David Bohm ermöglicht die Anwendung
der kausalen Interpretation der Quantenmechanik eine neue
Sichtweise auf die Beziehung zwischen Geist und Materie. Dadurch
könne sich eine neue Denkstruktur entwickeln, die Geist
und Materie nicht gegeneinander abgrenze. Sie ermögliche
eine zusammenhängende Theorie zum Verständnis der
Erscheinungsformen geistiger wie materieller Art, indem sich
keine Abgrenzung von Geist und Materie, Beobachter und Beobachteten,
Subjekt und Objekt mehr vollzieht (Bohm 1991:41ff.). Nach
Bohm ergeben sich durch die moderne Quantentheorie für
die physikalischen Teilchen gewisse Geist ähnliche Eigenschaften,
die durch die Newtonschen Konzepte nicht mehr erfasst werden.
Dies beinhaltet, dass sich selbst unbeseelte Materie nicht
vollständig mit der Bemerkung Descartes fassen lässt,
es handle sich dabei um nichts weiter als um eine Substanz,
die Raum ausfülle und aus räumlich voneinander getrennten
Objekten bestehe.
Die Quantentheorie geht nach Bohm erstens von
der bekannten Welle-Teilchen-Dualität als Eigenschaft
jeden materiellen Systems aus. Diese duale oder zweifache
Natur von materiellen Systemen steht völlig im Widerspruch
zur Newtonschen Physik, in der jedes System seine eigene Natur
besitzt, die nicht von seinem Kontext abhängt. Zweitens
geschieht alles in Form definierter, messbarer Energien, den
Quanten, die sich nicht weiter teilen lassen. Wenn eine Wechselwirkung
zwischen Teilchen auftritt, scheint es, als wären sie
alle durch untrennbare Verbindungen miteinander zu einem einzigen
Ganzen verknüpft. Drittens haben diese Welle-Teilchen
die fremdartige Eigenschaft der sogenannten Nicht-Lokalität.
Das heisst, unter bestimmten Bedingungen scheinen
Teilchen, die einen makroskopischen Abstand voneinander haben,
sich gegenseitig in gewisser Weise beeinflussen zu können,
obgleich es keine bekannte Verbindung zwischen ihnen gibt.
Solche Wechselwirkung ohne direkten räumlichen Kontakt
oder durch lokale Felder sind der Newtonschen Mechanik völlig
fremd. Sie lassen sich durch den Begriff des Quaten-Kontinuums
umschreiben, der verdeutlicht, dass sich die Welt in Form
voneinander unabhängiger und raum-zeitlich getrennter
Teile nicht oder nur ungenau analysieren lässt. Im einzelnen
bedeutet dieses Kontinuum, dass für eine Beobachtung
mit quantentheoretischer Genauigkeit keine Trennung zwischen
beobachtendem Apparat und beobachtetem System mehr vorgenommen
werden kann. Der in der Quantenphysik ebenfalls gängige
Begriff des Quantenfeldes beinhaltet die ähnliche Aussage,
dass eine weit entfernte Wirkungsquelle einen starken Einfluss
auf "Materie"-Teilchen haben kann.
Immer mehr Autoren aus der Medizin oder aus
Gebieten, die der Medizin nahestehen, entwerfen auf dem Denksystem
der Quantentheorie aufbauend eine neue Weltanschauung, die
den Menschen und die Natur insgesamt einbezieht und die eine
neue, in sich kohärente Theorie von Gesundheit und Krankheit
ermöglichen soll. Diesen Denkansätzen ist gemeinsam,
dass sie den menschlichen Organismus weniger vom Materie-Aspekt,
sondern eben gemäss Quantentheorie vom Wellen- und Feld-Aspekt
her betrachten. Friedrich Cramer, Molekularbiologe und ehemaliger
Direktor des Göttinger Max-Planck-Instituts für
experimentelle Medizin, hat darüber ein Essai vorgelegt,
in welchem er schreibt: "Im Grunde nehme ich damit nur
den für die Quantenmechanik schon seit 70 Jahren selbstverständlich
gewordenen Korpuskel-Welle-Dualismus ernst, dass nämlich
ein Ding gleichzeitig Welle und Teilchen sein kann. Das gilt
eben nicht nur für Atome und Elektronen, sondern auch
für die makroskopische Welt, für die Kreisläufe
des Lebens, für Ökosysteme, für unsere Wechselwirkungen
mit der materiellen, geistigen und emotionalen Welt, und je
nachdem, wie wir diesem Ding begegnen, stossen wir uns daran
oder schwingen mit ihm, begegnen ihm als Körper oder
als Welle" (Cramer 1998:9).
Der amerikanische Arzt R. Gerber (1996) und
auch die Zürcher Psychologin und Psychotherapeutin A.
Berner-Hürbin (1997) beschreiben, neben zahlreichen anderen
Autoren, den Menschen als System von Schwingungen und Energien,
wie dies überdies bereits die alten Chinesen, Inder und
auch Griechen wahrgenommen haben. Der Mensch wird als ein
komplexes Feld stehender Wellen verschiedenster Frequenzen,
Intensitäten und Qualitäten gesehen, die miteinander
in Resonanz stehen und damit ein sogenanntes Interferenzbild
ergeben. Immer wieder wird für den Menschen das Hologramm
als Verstehensmodell herangezogen, d.h. als Organismus, der
auch im dem Sinne eine Ganzheit bildet, dass in jedem seiner
Teile, ähnlich wie in einem holographischen Bild, alle
Informationen des Ganzen gespeichert sind.
Von experimenteller Seite erhält diese
Theorie Unterstützung durch die Ergebnisse der Biophotonen-Forschung,
wie sie vor mehr als 20 Jahren vom Quanten-Physiker F.A. Popp
entwickelt wurde und inzwischen weltweit betrieben wird (Popp
1984, Bischof 1995, Cohen 1997). Popp wies nach, dass die
menschlichen Zellen bzw. Zellkerne ein ultraschwaches, aber
kohärentes, d.h. lasergleiches Licht abgeben und mit
diesem Licht untereinander kommunizieren. Interessant ist,
dass Popp offenbar das Vorhandensein dieses Bio-Lichtes theoretisch
vor dessen experimentellen Nachweis postuliert hatte, weil
er zum Schluss kam, dass die chemischen Reaktionen nie schnell
genug wären, um die kaum überschaubaren Auf- und
Abbau-Prozesse im Organismus zu steuern, so dass ohne ein
viel schnelleres Informationssystem längst chaotische
Verhältnisse im Körper überhand nehmen müssten.
Die quantentheoretische und holographische Theorie
vom Menschen zeigt Erklärungsmöglichkeiten für
viele sogenannte komplementärmedizinische Verfahren wie
Akupunktur, Homöopathie, Bachblüten-Therapie, Bioresonanz-
oder Biophysikalische Informationstherapie, Fussreflexzonen-Massage,
Reiki, geistiges Heilen u.v.m. Eine neue Studie zeigt denn
auch die Übereinstimmung von messbarer, physikalischer
elektrischer Energie, gemessen an Akupunktur-Punkten am menschlichen
Körper, mit dem traditionellen östlichen Konzept
der Lebensenergie, des Qi (Syldona & Rein, 1999).
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