​Die Meditation des einsgerichteten Geistes Gedanken

von Tulku Lobsang

29. Januar 2015

Die Meditation des einsgerichteten Geistes ist eine wertvolle Praxis, um den Zustand unseres bewölkten Geistes zu verändern. In unserem täglichen Leben sind Gedanken stetig am Kommen und Gehen.

Unser Bewusstsein konzentriert sich meist auf die oberflächliche Ebene des Geistes. Da diese Geistesebene geprägt ist von unseren Erfahrungen, Gewohnheiten und Verhaltensmustern, hat der Geist die Tendenz, sich schnell ablenken zu lassen und unruhig zu sein. Wir haben keine Kontrolle über unseren Geist, denn wir haben keine Kontrolle darüber, ob etwas auf uns zukommt, was uns unglücklich macht. Unser Geist beschäftigt sich mit tausenden von Gedanken, ohne diese lenken zu können. So führt das Verfolgen dieser Gedanken zu keinem Nutzen für uns selbst. Irgendwann führt dies zu einer Überforderung, man kann seinen Platz in der Gesellschaft, seinen Frieden und vielleicht sogar sich selbst verlieren. Es kann auch sein, dass man Schlafprobleme bekommt und Mühe hat zu atmen, weil man das Gefühl hat, von den Gedanken erdrückt zu werden. Wir beschäftigen uns tagtäglich mit vielen unnötigen Problemen. Dies kommt daher, dass unsere Emotionen oft nicht mit der Wahrheit übereinstimmen. Wir kreieren uns unsere eigene Wahrheit. Alles was wir denken und fühlen, alles was wir wollen, ist immer ausserhalb jeder Realität. Dies ist der Grund, weshalb wir uns mit so vielen Problemen rumschlagen und in unseren Problemen gefangen bleiben. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um den unreinen Geist zu reinigen. So ist es hilfreich, wenn wir Urlaub machen und nach draussen in die Natur gehen. Auch ein Waldspaziergang isthilfreich, damit der Geist Ruhe findet. Eine andere Möglichkeit besteht darin, mit unserem Geist zu arbeiten und die Konzentrationsfähigkeit des Geistes zu trainieren. Dadurch erhält man mit regelmässiger Praxis einen klaren, friedvollen, achtsamen und ruhigen Geist. Die Praxis des einsgerichteten Geistes ist die Basis vieler Meditationen und ein Weg, wie wir Achtsamkeit praktizieren können. Sie bewirkt, dass sich der Geist beruhigt, klar wird und fokussiert. Der Geisteszustand ist vergleichbar mit einem Gewässer. Bewegt man das Wasser, wird dieses trübe. Wird das Wasser stehen gelassen, dann wird es klar. Haben wir einen klaren Geist, ist es uns möglich zu unterscheiden, was Realität ist und was nicht. Dies ist wichtig, weil unsere Gedanken von unseren Emotionen und somit von Illusionen und Unwissenheit geleitet werden. Möchten wir die Illusionen hinter uns lassen, brauchen wir einen klaren Geist. Wenn unser Geist klar ist, haben wir automatisch auch einen achtsamen Geist. So reduzieren wir unsere Probleme, unser eigenes Leiden und erfahren Glück und Mitgefühl.

Die Meditation der Glückseligkeit Das üblicherweise erlebte Glück entsteht durch Abhängigkeit. Die Meditation der Glückseligkeit ist eine wichtige Meditationspraxis des Buddhismus, um sich selbst vom abhängig existierenden Glück befreien zu können. Nur so können wir frei sein von allem und unabhängiges, vollkommenes Glück und Frieden erfahren. Dieses Glücksgefühl ist einfache Glückseligkeit, Liebe. Je mehr wir Glückseligkeit spüren, desto weniger unterscheiden wir zwischen «Ich» und «Du». Die Gefühle von Anhaftung, Verlangen und Wut werden reduziert, wodurch auch unsere negativen Emotionen immer kleiner und kleiner werden. Die Praxis der Glückseligkeit ist die beste Technik, um alle unsere negativen Emotionen zu überwinden. Wenn wir Glückseligkeit haben, müssen wir weder gegen negative Emotionen, noch gegen unsere Wut ankämpfen.

Im Moment des Erlebens der Glückseligkeit werden die negativen Emotionen ruhig und friedvoll. Glückseligkeit müssen wir durch unseren Körper erfahren. Der Geist ist nur in der Lage Glück zu empfinden, nicht Glückseligkeit. Doch das Glücksempfinden des Geistes können wir nur durch die Existenz von Problemen erfahren. Das bedeutet, dass wir ohne Probleme Glück nicht erleben können. Die Existenz des Glücks basiert auf der Existenz eines Problems. Nur wenn dieses Problem überwunden ist, sind wir in der Lage, Glück zu erfahren. So kann auch der Moment in dem wir keine Probleme haben, zum Problem werden, weil wir dann nicht wissen, wie wir ohne die Existenz von Problemen Glück erfahren können. Die Frage ist also, wie es möglich ist, ohne die Existenz von Problemen Glück erfahren zu können. Die Praxis der Glückseligkeit ist sehr wertvoll, da man durch sie unabhängiges Glück erleben kann. Wir können Glückseligkeit nur mit Hilfe unseres Körpers erfahren. Der einzige Weg, wie wir unsere Glückseligkeit erkennen können, ist das Verlangen. So müssen wir zuerst Verlangen praktizieren. Durch den Wunsch Glückseligkeit erreichen zu können, nähern wir uns Schritt für Schritt der Glückseligkeit. Das Verlangen dieses Ziel erreichen zu wollen, wird niemals enden. Aus diesem Grund benötigen wir unser Verlangen. Verlangen ist sogar die einzige Möglichkeit, die Transformation der Glückseligkeit zu erreichen. Grundsätzlich ist Verlangen eine negative Emotion. Doch das Verlangen ist die einzige Möglichkeit, das Ziel der Glückseligkeit, und damit unbedingtes Glück, zu erlangen. Buddha hat gesagt, dass es der grösste Fehler der spirituellen Praxis ist, wenn wir unser Verlangen reduzieren möchten. Denn die Glückseligkeit stoppt letztendlich das Verlangen, wenn wir am Ziel der Erleuchtung angelangt sind. Deshalb ist es wichtig, mit dem Verlangen zu arbeiten. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir nur mit dem Verlangen arbeiten. Jeder weiss, dass dies Probleme verursacht. Aber ohne Verlangen können wir auch nicht zu einem Ziel gelangen.

In diesem Workshop lernen wir die Grundlagen für diese Technik und arbeiten dabei sowohl mit unserem Atem, als auch mit Körperpositionen und mentalen Visualisationen. So können wir lernen, unser Verlangen und das veränderbare Glück in unveränderbare, dauerhafte Glückseligkeit zu transformieren. Durch die Praxis der Glückseligkeit können wir unsere Buddhanatur verwirklichen.


Über Tulku Lobsang

Tulku Lobsang ist ein buddhistischer Meister, sowie Doktor der tibetischen Medizin und Astrologie. Er wurde 1975 im Nordosten Tibets geboren und trat mit sechs Jahren in die lokale buddhistische Klosterschule ein. Im Alter von 13 Jahren wurde er als Reinkarnation des Nyentse Lama wieder erkannt. Tulku Lobsang lebte in mehreren Klöstern und beeindruckte die Menschen mit seiner Heilfähigkeit. 1992 verliess Tulku Lobsang Tibet, um in Südindien sein Wissen bezüglich der klassisch buddhistischen Texte zu vertiefen. Später gründete er in Dharamsala das Zentrum Nangten Menlang. www.tulkulobsang.org

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