João de Deus - Hoffnung für «Unheilbare» und spirituell Suchende von Beatrice Wiesli

von Basler Psi Verein

26. Januar 2015

Jeden Tag strömen hunderte von Menschen in die Casa de Dom Inacio in Brasilien. Sie suchen Heilung von körperlichen und psychischen Krankheiten oder wünschen sich einen besseren Zugang zu ihrem spirituellen Potential.

     



Jeden Tag strömen hunderte von Menschen in die Casa de Dom Inacio in Brasilien. Sie suchen Heilung von körperlichen und psychischen Krankheiten oder wünschen sich einen besseren Zugang zu ihrem spirituellen Potential. Alle werden vom Geistheiler João de Deus empfangen, unabhängig von ihrer religiösen Gesinnung oder ihrem sozialen Status. Die Behandlungen sind kostenlos – das meist genannte Wort heisst «Liebe».

Als ich 24 Jahre alt war, konfrontierte mich ein Arzt, ein Humangenetiker, mit einer schwerwiegenden Diagnose: «Myotome Muskeldystrophie». Das war sein Befund und er erklärte mir, diese genetische Krankheit sei unheilbar und der Verlauf sei voraussehbar, nämlich ein Abnehmen der Muskelstärke bis hin zum Rollstuhl und zum vollständigen Pflegefall. Bereits mein Vater und meine Tante hatten diese vererbbare Krankheit und waren tatsächlich von diesem prognostizierten Schicksal betroffen.
Von dem Zeitpunkt an überschatteten diese Sätze einen Grossteil meines Lebens; ich fasste den Entschluss, eine dritte Ausbildung zu absolvieren, mit der ich selbst im Rollstuhl noch arbeiten könnte. So studierte ich Psychologie und begann diesen Beruf auszuüben, immer ein bisschen ängstlich und mich selber beobachtend, weil ich dachte, jeden Moment würden die ersten Symptome auftreten. Sie taten es nicht! Trotzdem rechnete ich mit 35 immer noch mit einem baldigen Beginn der Krankheit und so beschloss ich, jetzt alles zu tun, was ich später im Rollstuhl nicht mehr tun könnte.
Ich begann die Welt zu bereisen und bald bekamen diese Reisen einen speziellen Fokus: Ich suchte HeilerInnen und spirituelle FührerInnen auf, einerseits wegen meiner tiefen spirituellen Sehnsucht, andrerseits in der Hoffnung auf Heilung für die diagnostizierte Krankheit. Die Reisen brachten mich zu Schamanen in Hawaii, zu Sai Baba und Amma in Indien, zum Dalai Lama und später zu den Azteken und Tolteken in Mexiko. In Peru erhielt ich das Buch The Miracle Man, der Wunderheiler, von Robert Pellegrino-Estrich und verschlang es über Nacht. Das Buch handelt von João de Deus und seinem Heilzentrum Casa de Dom Inacio in Brasilien. Die Beschreibungen von Blinden, die wieder sehen können, Gehbehinderten, die wieder gingen und Menschen deren chronische Schmerzen verschwanden, faszinierten mich so stark, dass ich kurz darauf aufbrach und in einer abenteuerlichen Bootsreise über den Amazonas nach Abadiania gelang, wo besagter João sein Heilungszentrum hat, die Casa de Dom Inacio.

João Teixeira de Faria, bekannt als João de Deus, ist ein aussergewöhnlich starkes Medium, der diese Fähigkeit nicht gelernt, sondern «geschenkt» bekommen hat. Als Sohn eines Schneiders wurde er in einem kleinen Dorf in Zentralbrasilien geboren und besuchte die Schule nur während ca. 4 Jahren. Mit 16 Jahren erschien ihm die heilige Santa Rita, die ihm einen Besuch in einem Heilzentrum nahe legte. Als João der Aufforderung dieser Erscheinung folgte, und dort anlangte, wurde er von einer Wesenheit «übernommen» und heilte und operierte eine grosse Anzahl von Menschen. Später konnte er sich nicht an diese Ereignisse erinnern.

Von diesem Zeitpunkt an folgte João de Deus seiner Mission. Er führte das Leben eines Wanderers, der in Dörfern Menschen heilte und dafür Unterkunft und Verpflegung erhielt. Immer wieder kam er in Konflikt mit dem Gesetz, da er ohne Ausbildung Operationen durchführte und landete deshalb im Gefängnis. Diese Thematik ist heute in Form von Anschuldigungen bezüglich mafiaähnlichen Machenschaften, Drogenhandel und sexuellen Übergriffen immer noch aktuell. Dazu nur soviel: João de Deus ist von der geistigen Welt ausgesucht worden, um die Mission des Heilens zu erfüllen. Eine Missachtung der universellen Gesetze kann damit nicht vereinbart werden, ansonsten würden die geistigen Kräfte nachlassen oder entzogen.
Heute inkorporiert João de Deus in Volltrance über 30 verschiedene Wesenheiten. Diese hoch entwickelten Geistwesen sind aus brasilianischer Sicht Gesandte Gottes. Enge MitarbeiterInnen können die Wesen, die durch ihn wirken, grösstenteils identifizieren. In ihrem Leben auf der Erde waren sie Religionsführer, Ärzte und Psychologen. Die Wesenheiten erfassen Krankheiten sekundenschnell und vollbringen aussergewöhnliche Heilungen. João de Deus selbst sagt: «Ich bin nur ein Gefäss, es ist Gott, der heilt.»
Die Casa de Dom Inacio besteht aus wenigen, blau weiss gestrichenen Häusern, die mit einem schönen Ziergarten umrahmt sind. Das Ganze wirkt freundlich und einladend. Jeweils von Mittwoch bis Freitag, wenn Medium João anwesend ist, pilgern Hunderte von Menschen aus aller Welt weiss gekleidet zu ihm, um Hilfe für körperliche und psychische Leiden zu erhalten. Viele haben ihre Diagnose aus der Schulmedizin und den lakonischen Satz eines Arztes «wir können ihnen nicht mehr weiterhelfen» überwunden. Sie kommen nach Abadiania, in der Hoffnung, einen neuen Weg beschreiten zu können. Einige sind Heiler und Heilerinnen, die ihre Fähigkeiten verbessern wollen; andere kommen mit «weltlichen» Anliegen: Geldmangel, Suche nach einer Partnerschaft, Arbeitslosigkeit und vieles andere mehr.



Um 8 Uhr morgens findet die Begrüssung in verschiedensten Sprachen statt. Danach beten alle Anwesenden gemeinsam das «Vater Unser» und das «Gegrüssest Seist Du Maria». Es herrscht eine Atmosphäre von Echtheit, Schlichtheit und ganz einfach Liebe. Auffallend sind das Leuchten in den Augen vieler Anwesenden und ein inneres Strahlen, obschon einzelne mit Schmerzen zu kämpfen scheinen. Andere sind gespannt auf die Antworten, die sie bekommen werden, scheinen entsprechend nervös oder haben Tränen in den Augen. Auch mir ging es so, weil ich wusste, dass die Antwort der Wesenheit stimmig sein würde und davor hatte ich Angst. «Kannst Du meine Krankheit heilen?», war meine Frage. Drei hilfsbereite Brasilianer in blauen Kitteln stellen sich zur Übersetzung der Anliegen von englisch in portugiesisch zur Verfügung. Wer zum ersten Mal in Abadiania ist, erhält die Karte «primera vez» und wird in die entsprechende Schlange eingeteilt. Sobald jemand aufgerufen wird, geht es vom Empfangsraum durch zwei Räume, wo ungefähr 150 Menschen mit offener Körperhaltung und geschlossenen Augen – die Handflächen gegen oben gerichtet – meditieren. Im ersten Raum findet eine Reinigung der Sitzenden und der vorbeigehenden Menschen statt. Anhängsel, die sich in die Aura eines jeden einnisten, werden hier losgelöst und von speziellen Transportmedien ins Licht geschickt. Im zweiten Raum generieren ausgewählte Medien Energie, damit eine möglichst hoch entwickelte Wesenheit durch João de Deus hindurch arbeiten kann. Am Ende dieses zweiten Raumes sitzt João de Deus. Die Visite dauert nur wenige Sekunden: vor João stehend, wird man von der Wesenheit «durchleuchtet» und sogleich stehen die ersten Behandlungsschritte fest. Dies kann eine Verschreibung von Kräutern sein (Passionsblume), Meditation, eine spirituelle Operation oder eine Behandlung mit Kristallen.
Die Meditation ist die zentrale Behandlungsform. Natürlich wäre die konkrete Beantwortung einer Frage einfacher, doch bietet João de Deus dadurch ein Instrument, das auch unabhängig von ihm angewendet werden kann. Während den schweigend verbrachten Stunden kommt es zu vielfältigsten Erfahrungen: Sie reichen von der Empfindung und Einbindung in die allumfassende Liebe, über plötzliche Antworten auf längst gewälzte Fragen, bis hin zu körperlichen Heilungen. Meistens werden von den Wesenheiten zudem Kräuter der Passionsblume verschrieben, die für alle Hilfesuchenden individuell energetisiert sind. Auch die reichliche Einnahme von gesegnetem Wasser ist wichtig.

Bei den Operationen hat man die Wahl zwischen einer unsichtbaren spirituellen Operation und einer sichtbaren Operation. Die Durchführung der ersteren findet im Operationsraum in der Gruppe statt. Die Betroffenen sitzen auf Holzbänken, hören die leise gesprochenen Instruktionen und warten. Kaum tritt João de Deus in den Raum, verkünden die Wesenheiten durch ihn hindurch: »Im Namen Gottes, Ihr seid alle geheilt. Lasst das, was getan werden muss im Namen Gottes getan werden». Kurz darauf ist die Operation vollbracht. Die sichtbare Operation verläuft häufig auf der Bühne im Empfangsraum und ist ein eindrückliches Erlebnis. Die Stimmung ist elektrisierend und João de Deus – von einer Wesenheit übernommen- greift zum Messer, um Tumore herauszuschneiden, Augen- oder Nasenoperationen durchzuführen. Auch ich unterzog mich zwei Mal einer solchen Operation und empfand kaum Schmerzen, obwohl keine herkömmlichen Anästhetika verabreicht wurden. Der Schnitt blutete kaum und verheilte aussergewöhnlich schnell.
Die Wichtigkeit der Regeln wird in der Casa de Dom Inacio immer wieder betont: so muss während der Einnahme von Kräutern auf Alkohol, Schweinefleisch und Pfeffer verzichtet werden und nach der Operation wird eine Bettruhe für mindestens 24 Stunden verschrieben. Auch nach dieser Zeit wird ein sorgfältiger Umgang mit sich selbst empfohlen. Obschon nicht alle Hilfesuchenden von den Wesenheiten körperlich geheilt werden, beschreiben die meisten eine spirituelle Veränderung, die sie durch den Aufenthalt in Abadiania erleben. Viele fühlen sich näher «beim Licht», näher bei »Gott». Sie haben Vertrauen in «den Plan Gottes», glauben wieder an die Kraft der Gebete, glauben dass sie «es» schaffen werden und haben neue Hoffnung bezüglich ihrer Krankheit. Im emotionalen Bereich fühlen viele eine neue Zugehörigkeit zu den Menschen in Abadiania, ein »Aufgehoben sein».
Heilung wird in Abadiania als aktiver Prozess gesehen, der von den Hilfesuchenden einen klaren Beitrag fordert. Arbeits-, Wohn- oder Beziehungssituationen müssen überdacht und wenn diese «krankmachend» sind, verändert werden. Auch die Denkweise spielt eine wichtige Rolle. Es wird gelehrt, dass negative Gedanken durch Disziplin – «Gedankliche Diät» - in positive umgewandelt werden können. João de Deus und viele der Mitarbeitenden der Casa sprechen von «Vergeben und Vergessen» und von der Wichtigkeit, alte Auseinandersetzungen hinter sich zu lassen. «Liebe» ist die Antwort auf viele Fragen.
Die Mission, die João de Deus auferlegt bekommen hat, nimmt ihn als Person vollständig in Anspruch. Er bietet seine Dienste unentgeltlich an und heisst in seinem Heilzentrum Menschen aller Religions- und Kulturkreise willkommen. Obschon zu bestimmten Zeiten bis zu tausend Hilfesuchende im Tag vor João treten, hört er mit seiner Arbeit nicht auf, bis der Letzte behandelt worden ist.

Seit dem ersten Besuch bei João de Deus hat sich mein Leben vollkommen verändert. Mit den Sätzen der Wesenheit: «Du bist geheilt, lass deine Krankheit los und lass sie hinter dir» fiel die ganze Schwere der Diagnose der «Myotomen Muskeldystrophie» von mir ab und machte einer Leichtigkeit Platz. Nachdem ich lange mit der Diagnose der Schulmediziner gehadert habe, begann ich nun zu verstehen, dass sie – im spirituellen Sinne – dafür da gewesen ist, mich auf meine Pilger-und Heilungsreise zu schicken. Die Ärzte erfüllten ihren Teil im göttlichen Plan und dafür bin ich ihnen dankbar. Letztlich haben sie mich in Kontakt mit João de Deus und seinem «Zentrum der Liebe» gebracht.

Beatrice Wiesli
Psychologin IAP
Medium der Casa de Dom Inacio
www.Lichtfluss.org


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