​Lu Jong – Tibetisches Heilyoga

von Tulku Lobsang

26. Januar 2015

Im Tibetischen bedeutet «Lu» soviel wie «Körper» und «Jong» wird mit «Training» übersetzt. Bei der Lu Jong Lehre handelt es sich um Körperübungen, welche die Gesunderhaltung von Körper und Geist unterstützen.

Lu Jong ist eine sehr alte Bewegungslehre, die ihre Ursprünge in der vorbuddhistischen Bön Religion Tibets hat. Die tiefen Kenntnisse über Natur, Körper und Geist und den Einfluss der Natur auf unseren Körper prägten die Entstehung der Lu Jong Übungen. Lu Jong wurde von Eremiten entwickelt, die sich in die Abgeschiedenheit der Berge Tibets zurückgezogen hatten, um dort zu meditieren und ihrer religiösen Praxis nachzugehen. Dank der Lu Jong Übungen konnten sie ihren Körper stärken und gesund erhalten. So konnten die Eremiten ihren Körper fernab des nächsten Dorfes ohne ärztliche Versorgung vor Krankheiten schützen und heilen, wenn dies notwendig war. Die Lu Jong Lehre ist über 8000 Jahre alt und wird bis heute vom Meister an den Schüler weitergegeben. Da Lu Jong zu den «geheimen Lehren» gehört, gibt es nur wenige Niederschriften. Die Lehre wurde über Jahrtausende in der direkten Übertragungslinie vom Lehrer an den Schüler weitergegeben. In den tibetischen Klöstern wurden jeweils nur wenige Schüler ausgewählt, die Lu Jong lernen durften. Grundlagen der Tibetischen Medizin Die Tibetische Medizin gehört zu den ältesten Medizinsystemen der Welt. Die Tibetische Medizin zeichnet sich aus durch eine ganzheitliche Betrachtung des Körpers und der Verbundenheit zwischen Körper und Geist. Die Ursache aller Krankheiten liegt aus der Sicht der Tibetischen Medizin in einem Ungleichgewicht der 5 Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Wind und Raum. Die 5 Elemente wiederum bilden die Grundlage für die 3 Säfte: Wind, Galle und Schleim. Der Wind (tib. Lung) steht für die Lebensenergie, vergleichbar mit dem indischen «Prana» oder dem chinesischen «Chi». So trägt der Wind die Elemente und

Säfte über die Kanäle durch den Körper. Jeder Körper besteht aus etwa 72'000 Kanälen, welche netzartig im ganzen Körper angeordnet sind. Jeder dieser Kanäle kann verstopfen, sich verdrehen oder brechen. Entstehen solche Blockaden, dann kann der Wind die Elemente und Säfte nicht mehr transportieren, was die Ursache aller Krankheiten ist. Die Harmonie des Windes im Körper ist somit die Grundlage eines Gleichgewichts von Körper und Geist. Meist entsteht ein Ungleichgewicht der Elemente im Körper durch negative Emotionen, welche Blockaden auf physischer und psychischer Ebene verursachen. So bewirken beispielsweise Gefühle wie Angst und Ärger ein vorherrschendes Feuerelement. Das Gefühl des Nicht-Loslassen-Können und übertriebener Ehrgeiz dagegen führen zu einem Mangel des Wasserelementes.



Lu Jong aus Sicht der Tibetischen Medizin
Der unmittelbare Nutzen der Lu Jong Übungen liegt in der Erhaltung und Verbesserung der körperlichen und geistigen Gesundheit. Praktizieren wir Lu Jong regelmässig, dann werden wir widerstandsfähiger gegen Krankheiten, das Immunsystem wird gekräftigt und wir verbessern unser Körpergefühl. Durch Lu Jong erfahren wir, wie wir unseren Geist nutzen können, um körperliche Blockaden aufzulösen und Heilungsprozesse zu unterstützen.
Viele Leute im Westen leiden an Herz- und Kreislauferkrankungen, Rückenbeschwerden oder emotionaler Unausgeglichenheit. Auch nehmen wir durch unsere Nahrung viele Chemikalien zu uns, welche Magen, Leber- und Blutkrankheiten oder Krebserkrankungen verursachen können. In unserem Alltag haben wir oft zu wenig Bewegung und verlieren das eigene Körpergefühl.

Praktizieren wir Lu Jong, dann bewegen wir gleichzeitig die Kanäle in unserem Körper. Bewegen wir die Kanäle, bewirkt dies, dass der Wind sich ins Gleichgewicht bringt. So befinden sich Körper und Geist in einer heilsamen und ausgeglichenen Einheit. Alle Lu Jong Übungen sind zusammengesetzt aus einer Position und einer Bewegungsabfolge. Es wird also nicht eine Position gehalten, sondern während einer Übung werden fliessende Bewegungen auf der Grundlage einer bestimmten Position ausgeführt. Leiden wir an einer Krankheit, so entstehen Blockaden in den Kanälen welche verhindern, dass die drei Körpersäfte ungehindert fliessen können. Die Lu Jong Übungen öffnen unsere Kanäle, indem bestimmte Punkte zusammengepresst und wieder gedehnt werden.



Praktizieren wir die Übungen regelmässig, merken wir schon nach kurzer Zeit, dass sich unser Körper und unser Körpergefühl verändern. Wir werden kräftiger, gelenkiger und verbessern unsere Kondition. Verinnerlichen wir die Körperübungen, können wir Lu Jong auch im Alltag gut anwenden. Es gibt Übungen die beispielsweise bei Kopf- und Rückenschmerzen, Verdauungsproblemen oder emotionaler Unausgeglichenheit helfen. Deshalb ist Lu Jong eine hervorragende Praxis, um körperliche Beschwerden zu überwinden. Die Grundlage der Lu Jong Praxis bilden die 5 Körperübungen der 5 Elemente. Diese Übungen bringen die 5 Elemente ins Gleichgewicht und gleichen das männliche und das weibliche Prinzip aus, welche im Nabel- und Herzchakra angesiedelt sind. Lu Jong und die Atmung Der Atem wird als «Brücke» zwischen Körper und Geist und als Lebensenergie verstanden. Aus diesem Grund spielt die Atmung auch beim Lu Jong eine wichtige Rolle. Zum einen gibt es eine spezielle Atemtechnik, welche während der Übungen angewandt wird, denn der Atem unterstützt den Nutzen der Übungen. Zum anderen sammelt sich während der Lu Jong Übungen im Nabelchakra der «Wind der Abfallstoffe ». Dieser verbrauchte Wind wird nach jeder Übung mit einer gezielten Atemtechnik ausgeatmet. Tulku Lobsang und Lu Jong Tulku Lobsang Rinpoche befasst sich seit seinem 13. Lebensjahr intensiv mit der Lu Jong Lehre und hat Lu Jong Übungen aus unterschiedlichen Übertragungslinien erhalten. Als Tulku Lobsang damit begann, Leute aus dem Westen in Meditation, Medizin


und Astrologie zu unterrichten, ist ihm bewusst geworden, dass die Lehre des Lu Jong für seine Schüler sehr nützlich sein würde. Seiner Meinung nach haben viele Leute im Westen die Sensibilität ihrem eigenen Körper gegenüber verloren und bemerken erst, dass etwas nicht stimmt, wenn der Körper krank wird oder die Psyche unausgeglichen ist. Aus diesem Grund hat Tulku Lobsang eine Auswahl an Lu Jong Übungen zusammengestellt und modifiziert, welche in engem Zusammenhang mit der Tibetischen Medizin stehen und leicht erlernbar sind. Tulku Lobsang hat die Lehre des Lu Jong in den Westen gebracht, um die wertvollen Übungen Interessierten zugänglich zu machen. Tulku Lobsang hat Lu Jong Lehrer ausgebildet, welche in seiner Tradition unterrichten. Es ist eine besondere Ehre, die Lu Jong Lehre von Tulku Lobsang persönlich erlernen zu können und mehr über diese alte Praxis zu erfahren.


Über Tulku Lobsang

Tulku Lobsang ist ein buddhistischer Meister, sowie Doktor der tibetischen Medizin und Astrologie. Er wurde 1975 im Nordosten Tibets geboren und trat mit sechs Jahren in die lokale buddhistische Klosterschule ein. Im Alter von 13 Jahren wurde er als Reinkarnation des Nyentse Lama wieder erkannt. Tulku Lobsang lebte in mehreren Klöstern und beeindruckte die Menschen mit seiner Heilfähigkeit. 1992 verliess Tulku Lobsang Tibet, um in Südindien sein Wissen bezüglich der klassisch buddhistischen Texte zu vertiefen. Später gründete er in Dharamsala das Zentrum Nangten Menlang. www.tulkulobsang.org

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