Wie das Gehirn unserem Glück zuarbeitet

von Joe Dispenza

08. Dezember 2014

Dr. Joe Dispenza erklärt, wie das unser Leben verändert

Dr. Joe, was können wir tun, um glücklich zu sein?

Wann immer der Körper es besser weiss als unser Verstand, empfinden wir das als Himmel. Anders gesagt: Himmlisch ist es, wenn unser Verstand oder Geist der Körper ist. Im Alter von 35 besteht das, was wir sind, zu 95 Prozent aus dem Unbewussten. Und Du möchtest Dein Leben mithilfe von nur 5% Deines Bewusstseins – mit dem, was Du als Deinen bewussten Geist kennst – ändern?
Währenddessen erinnerst Du Dich wohl eher an einen negativen Zustand, wo Körper und Geist in Zwist sind. Du betest mit aller Kraft für ein besseres Leben, doch was Du fühlst, ist Schuld! Wir können unser Leben nicht mit diesen 5% von bewusstem Geist ändern. Wir müssen in dieses scheinbar alles beherrschende, unbewusste System vorstossen und unsere Identifikationen und Assoziationen in positivere verwandeln.




Welche Methoden verwenden Sie? NLP, Meditation, Aufmerksamkeitsschulung?

Es ist Meditation, eine ganz besondere Meditation in 10 Stufen. Ich schreibe gerade mein zweites Buch mit dem Titel: «Wie man seinen Verstand verliert und einen neuen erschafft.» Darum geht's. Ich halte es nicht für hilfreich, hier auf Details einzugehen, man braucht den Rahmen eines Workshops, um es zu üben, doch ich kann einen kurzen Überblick geben. Die Praxis der Wandlung – also wenn man sein Leben wirklich verändern will – erfordert zweierlei: zu verlernen, woran man sich erinnert, und etwas Neues zu lernen. Die Gewohnheiten des alten Selbst müssen durchbrochen und ein neues Selbst erschaffen werden. In der Neurologie sagen wir: Alte neuronale Verbindungen werden geblockt, neue gesät. Wir vergessen alte Emotionen, die bereits Teil unserer Person sind und strukturieren Körper und Geist neu.



Doch wie genau kommt hier die Meditation ins Spiel?

Das Wort Meditation bedeutet in der Tibetischen Tradition «mit etwas vertraut werden ». Wirst Du mit Deinen unbewussten Gedanken, Verhaltensweisen und Gefühlen vertraut, die jeden Tag allzu oft unbemerkt ablaufen, und wirst Dir ihrer bewusst, dann wirst Du wirklich Zeuge Deiner selbst. Das ist Meditation. In dem Masse, wie Dir die unbewussten Abläufe im Körper und im Geist bewusst werden, gewinnst Du auch Kontrolle über Deine Gefühle. Aus neurologischer Sicht beeinflusst alles, was Du denkst, fühlst und tust, das Gehirn und führt zu bestimmten Mustern oder Schaltkreisen. Wenn Du immer wieder dasselbe denkst und fühlst, dann werden im Gehirn die entsprechenden Schaltkreise stabiler. Wie können wir sie aber nun durchbrechen? Wir müssen unser Gehirn dazu bringen, auf eine neue Weise zu funktionieren. Das geschieht zum Beispiel durch Information und Wissen. Denn immer, wenn Du etwas lernst (neue Information!), entsteht zwangsläufig eine neue neuronale Verbindung im Gehirn. Das ist es, was Lernen ausmacht. Erinnern dagegen bedeutet, die alten Verbindungen zu bestärken und zu erhalten. Sowie Du beginnst, Dich selbst in einem positiveren Licht zu sehen, in einem freien, schönerem Leben, werden automatisch – nur durch Deine neuen Denkwege – neue Neuronenschaltungen installiert. Und wenn Du Dein Gehirn dazu bringen kannst, auf neue Weise zu arbeiten, dann verändert sich auch Dein Leben zum Positiven. 



In den spirituellen Traditionen werden Gehirn und Verstand meist als Erscheinungen angesehen, die ihre Quelle in etwas haben, das jenseits von Zeit und Raum ist. Wir können es Bewusstsein nennen. Wie sehen Sie das?

Ja, dem stimme ich zu. Die alte wissenschaftliche Einstellung, dass Geist oder Bewusstsein ein Produkt des Gehirns seien, ist überholt. Wir können nur von der Ebene des Bewusstseins aus wirklich etwas im Gehirn oder im Geist bzw. Verstand verändern. Das Bewusstsein ist sowohl individuell als auch universal. Es lenkt unser Innenleben ebenso wie den Lauf der Sterne und das Kreisen der Galaxien.



Wie kann dann eine Person, ein Ich etwas ändern?

Gar nicht. Die Person besteht ja letztlich nur aus all den meist festgefahrenen Programmierungen aus der Vergangenheit. Wir müssen diese Person loslassen, um etwas wirklich Neues zu erfahren und zu kreieren. Wahre Kreativität geschieht auf einer unpersönlichen Bewusstseins-Ebene. Da ist niemand da.



Aber haben wir nicht gerade davor die meiste Angst: Niemand oder nichts mehr zu sein?

Ja, schon. In unseren Meditationen geht es darum, diesen Mantel oder diese alte Schutzschicht des Ich nur vorübergehend abzulegen. Wir können jederzeit zum Personalen zurückkehren. Doch wir haben den unvergesslichen Einblick in die Freiheit und Möglichkeiten grenzenloser Kreativität erhalten.



In alten indischen Schriften wie den Upanishaden heisst es, dass sich unsere wahre Natur in tiefem, traumlosen Schlaf offenbart. Was sagen Sie dazu?

Das kommt mir jetzt fast so vor, als würden wir zwei Flaschen Wein während eines halbstündigen Gesprächs leeren, aber okay. Lassen Sie mich mit den Gehirnwellen beginnen. Soweit wir heute wissen, sind die Gehirnwellen bei Kindern ziemlich langsam, denn ihr Gehirn ist noch nicht voll ausgebildet. Typisch sind Beta-Wellen, die Schlaf oder eine Zwischenzone (Twilight) anzeigen, wo uns die innere Welt wirklicher erscheint als die äussere. Im Alter von etwa neun Jahren entwickeln wir unseren kritischen, analytischen Verstand, der sich in Alpha-Wellen zeigt. Hier entsteht eine Brücke zwischen dem unbewussten und dem bewussten Geist, doch wir halten die äussere Welt für wirklicher als die innere. Was die ín den Upanishaden angesprochenen tieferen Traumzustände betrifft, da geht es – glaube ich – einfach darum, den analytischen Verstand zu umgehen und in den Beta-Zustand zu gelangen. Ein luzider Traum in diesem Zustand erscheint wirklicher als die äussere Welt. Der Körper schläft, der Geist ist wach. An diesem Punkt leistet der Körper keinen Widerstand gegen Veränderung. Da sehen wir die Wirklichkeit ohne subjektive Beimischung. Wir sollten das in der Meditation üben, so wie wir beim Einschlafen vom Alpha zum Beta oder Deltazustand «herunterfahren», aber das geschieht normalerweise sehr schnell und unbemerkt. Gelingt es uns, in diese tiefen Zustände mehr Bewusstsein zu bringen, können wir auch unser Leben verändern. 


Über Joe Dispenza

Dr. Joe Dispenza wurde der Öffentlichkeit als einer der Wissenschaftler in dem preisgekrönten Film „What the BLEEP Do We Know!?“ bekannt. Seit der Veröffentlichung dieses Films im Jahr 2004 hat er seine Arbeit in mehrere Richtungen erweitert und vertieft –sein Bestreben zeigt sein leidenschaftliches Interesse daran herauszufinden, wie Menschen sich die neuesten Erkenntnisse aus der Neurowissenschaft und der Quantenphysik zunutze machen können, nicht nur, um sich von Krankheiten zu heilen, sondern auch, um im Leben mehr Glück und Erfüllung zu finden. »Dr. Joe« ist zutiefst davon überzeugt, dass jedem Menschen das Potenzial wahrer Größe und unbegrenzter Fähigkeiten und Möglichkeiten offensteht.

Dr. Joe ist in 31 Ländern auf sechs Kontinenten als Lehrer und Vortragsredner tätig und bringt auf seine leicht verständliche, ermutigende und mitfühlende Art, die sein »Markenzeichen« ist, Tausenden von Menschen bei, wie man sein Gehirn neu vernetzen und den Körper mit dauerhaften Veränderungen neu konditionieren kann. Er bietet nicht nur diverse Online-Kurse und Teleclasses an, sondern hält auch persönlich dreitägige »Progressive«- und fünftägige »Advanced« Workshops in den USA und auch im Ausland ab. Dr. Joe ist Fakultätsmitglied der International Quantum University for Integrative Medicine in Honolulu, des Omega Institute in Rhinebeck, New York sowie des Kripalu Center for Yoga and Health in Stockbridge, Massachusetts. Außerdem ist er geladenes Mitglied des Forschungsausschusses der Life University in Atlanta, Georgia.

Als Forscher beschäftigt sich Dr. Joe mit den wissenschaftlichen Grundlagen hinter Spontanremissionen und untersucht, wie Menschen sich von chronischen und sogar tödlichen Krankheiten selbst heilen. Seit einiger Zeit führt er in Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern und im Rahmen seiner Advanced Workshops umfassende Untersuchungen über die Auswirkungen der Meditation durch. Er und sein Team erstellen Hirnkarten anhand von Elektroenzephalogrammen (EEGs), testen das individuelle Energiefeld mit Hilfe der Gasentladungsvisualisierung (GDV) und messen die Herzkohärenz an HeartMath Monitoren sowie die Energie im Workshop vor, während und nach der Veranstaltung mit einem GDV Sputnik Sensor. Auch epigenetische Tests sind inzwischen dazugekommen.

Als Unternehmensberater hält Dr. Joe Vorträge und Workshops vor Ort bei Unternehmen, die mit Hilfe neurowissenschaftlicher Prinzipien unter anderem die Kreativität, Innovationskraft und Produktivität ihrer Mitarbeiter erhöhen möchten. Sein Unternehmensangebot umfasst zudem persönliches Coaching für Führungskräfte. Er hat persönlich über 50 Unternehmenstrainer ausgebildet, die sein Transformationsmodell weltweit im Unternehmensumfeld weitergeben. Inzwischen zertifiziert er selbstständige Trainer für die Arbeit mit seinem Modell des Wandels mit ihren eigenen Klienten.

Dr. Joe ist Autor des Buches Du bist das Placebo – Bewusstsein wird Materie; es landete innerhalb einer Woche nach Veröffentlichung auf der New York Times Bestsellerlisteund baut auf seinen vorigen Werken auf: Ein neues Ich: Wie Sie Ihre Persönlichkeit in vier Wochen wandeln können und Schöpfer der Wirklichkeit – Der Mensch und sein Gehirn – Wunderwerk der Evolution. Beide Bücher befassen sich mit den neurowissenschaftlichen Grundlagen des Wandels und der Epigenetik.

Dr. Joe Dispenza schloss sein Studium der Chiropraktik an der Life University in Atlanta (Georgia) mit Auszeichnung ab. Im Rahmen von Aufbaustudiengängen befasste er sich mit Themen wie Neurologie, Neurobiologie, Funktionsweise des Gehirns und Chemie, Zellbiologie, Gedächtnisbildung, Altern und Langlebigkeit. 

Diesen Artikel teilen

Aktuelle Veranstaltungen zu diesen Themen

Kategorien

Wissenschaft Psychologie Transformation

Direktlink